Glossar


Aegirin

nadelige dunkelgrüne Erdfarbe.
Aegirin ist ein eisenhaltiges Silikat, welches längliche Kristalle bildet. Die Kristalle sind tiefdunkelgrün und glashart. Auch das Pigment in der Mahlung kleiner 63 µ hat eine nadelige Struktur. In Europa ist Aegirin ziemlich selten, in Malawi gibt es ein grösseres Vorkommen, von welchem wir beliefert werden.


Alizarin-Krapplack

synthetische Nachbildung des lichtechtestenen Anteils der Krappwurzel.
Lichtechtheit ca.7 schlechte Benetzbarkeit, hoher Bindemittelbedarf, Lasurpigment.
Nicht giftig


Atramentum

Atramentum
neutraler Tintenstein
Atramentum ist ein besonders tiefschwarzes eisenhaltiges Schwarz. Der Gerbstoff der Eichenrinde reagiert mit Eisensalzen zu einem tiefschwarzen Material, welches kein Eisenoxidschwarz ist. Dieses Schwarz wird Atramentum oder auch Tintenstein genannt. In wässrigen Bindemitteln entsteht ein dunkles Grau-Schwarz, auf Papier kann eine Zerstörung durch dieses Pigment erfolgen. In Leinöl oder in harzhaltigen Lasuren entwickelt das Atramentum seine unerreichte Tiefe. Die Lichtechtheit ist hervorragend.


Auripigment, Arsengelb

Je nach Kornfeinheit und Technik kann der goldgelbe Farbton recht unterschiedlich wirken. Auripigment ist wesentlich leuchtender als entsprechende Erdfarbtöne, erreicht aber nicht die Intensität der Cadmiumfarben. In etwa ähnelt das Pigment einem mittleren Neapelgelb.


Chemisch handelt es sich um Arsensulfid (As2S3). Auripigment ist ein seit der Antike bekanntes Farbmittel. Es handelt sich um ein goldgelbes Mineral, welches bergmännisch abgebaut wurde. Für künstlerische Zwecke musste es entsprechend gereinigt und feingemahlen werden, was glücklicherweise aufgrund der geringen Härte nicht besonders schwierig war. An und für sich ist Auripigment als historisches Pigment zu betrachten. Immerhin stellte dieses Material das leuchtendste Gelb dar, welches man überhaupt kannte. Man findet es bereits in pompejanischen Wandgemälden. Nach der Renaissancezeit kam es offensichtlich aus der Mode. Beliebt war neben der Verwendung der Farbe für sich alleine ein Ausmischen mit natürlichem Ultramarin zu leuchtenden Grüntönen. Künstlich hergestelltes Auipigment nennt man Arsengelb oder Königsgelb, welches schon lange nicht mehr im Handel erhältlich ist. Glücklicherweise ist natürliches, fertig für künstlerische Zwecke aufbereitetes Auripigment zur Zeit wieder erhältlich, was nicht nur für Restauratoren, sondern auch für experimentierfreudige Maler interessant ist. Dies wiegt umso mehr, als die Angaben in der Fachliteratur mangels vorhandener Ware recht lückenhaft sind.


Als Arsensulfid ist Auripigment äusserst giftig! Daher ist bei der Arbeit sorgfältig auf Hygiene zu achten. Um Vergiftungen zu vermeiden, sollte dieses Pigment und die daraus hergestellte Farbe nicht mit der Haut in Berührung kommen. Reste sollten tunlichst nicht in den Hausmüll oder den Abfluss gegeben werden. Pinsel müssen auf das sorgfältigste gereinigt werden.


Als sulfidisches Pigment ist Auripigment an und für sich beständig, aber keinesfalls so solide, wie die modernen Cadmiumtöne. Das merkt man, wenn man wässrige Auripigmentfarbe mit einer Metallspachtel bearbeitet. Diese läuft dann unter Bildung von Eisensulfid schwarz an. Daher sollte man dieses Material nur mit gefirnisster Tempera oder in Ölfarbe verarbeiten. Schon allein wegen der Giftigkeit ist es ratsam, diese Farbe vor äusseren Einflüssen zu isolieren. Durch die öligen Bindemittel bzw. den Harzfirnis wird sie vor Feuchtigkeit, die eine chemische Zersetzung bewirken kann, isoliert. - Die Fachliteratur bescheinigt, dass Auripigment eine ausgezeichnete Temperafarbe darstellt. Auripigment hat deckende Eigenschaften, in dünneren Schichten lässt es sich problemlos lasieren. Verarbeitet man es so, wie man es erworben hat, also in einem verhältnismässig groben Zustand, fällt der Farbton feuriger aus. Hierbei ist interessant, dass gröbere Auripigmentflächen bei seitlicher Ansicht intensiver leuchten. Auch in gefirnisster Tempera lassen sich reizvolle, lebende Effekte erzielen. Ferner ist es möglich, das Auripigment vor dem Vermalen im Porzellanmörser zu zerreiben. Am feinsten wird es jedoch, nachdem man es unter dem Glasläufer angerieben hat. Der Farbton tendiert dann mehr in Richtung Gelb, die fertig angeriebene Ölfarbe hat schliesslich eine sehr feine weiche Beschaffenheit und lässt sich angenehm verarbeiten. Hinzu kommt, dass das Pigment über eine ziemliche Färbekraft verfügt. Auripigment ist in Öl ein guter Trockner, so das kein Sikkativ zugesetzt werden braucht. Obwohl wohl noch kaum jemand auf die Idee gekommen sein dürfte, ist es auch möglich Auripigment in modernen Kunstharzdispersionen, also auch als Acrylfarbe zu verarbeiten. Hier muss nur darauf geachtet werden , dass eine ausreichende Bindung erfolgt.


Als mässig stabiles Sulfid sollte das Pigment nicht in suaren Medien verarbeitet werden. An der Wand scheint es beständig zu sein.


Wer die Mühe nicht scheut, für den dürfte es auch möglich sein, Auripigment im Mineralhandel zu beschaffen und es sich dann selber zu zerkleineren.


Es ist erstaunlich, dass die alten Meister bereits über ein solch intensives Gelb verfügten. Bei ausreichenden technologischen Kenntnissen können hier Beständigkeiten erzielt werden, die mit modernen Farbmitteln Schritt halten.


Azurit

Chemische Zusammensetzung: 2CuCO3.Cu(OH)2

Azurit, auch Kupferlasur und Bergblau, ist ein basisches Kupferkarbonat. Es ensteht durch Verwitterung von Kupfersulfiden. Azurit wurde in der Antike auf der Sinaihalbinsel, im Mittelmeer in Spanien, Italien, Deutschland und England abgebaut. Die berühmtesten Fundorte in Europa waren die Kupferminen bei Athen, Chessy bei Lyon und Schwaz bei Insbruck. Heute kommen die meisten Azurite entweder aus der Wüste Tsumeb in Namibia oder aus Nordmexiko oder den Südstaaten der USA. Im Regelfall treten nennenswerte Verunreinigungen von Kupferoxid, Kupfersulfid und anderen basischen Kupferkarbonat, dem Malachit, bei Azurit auf. Ab dem 18. Jahrhundert etwa wurde Azurit auch künstlich hergestellt, und zwar durch Erhitzen von Kupfernitrat und Kreide oder aus Kupferchlorid.

Eine halbe Geode kann in ihrem Inneren hochreines kristallines Azurit zeigen und in den Randbereichen durch verschiedene andere Schwermetalle, Quarz und weitere Beimischungen verunreinigt sein. Durch die Vielzahl von Vorkommen war immer auch eine Vielzahl verschiedener Qualitäten von Azurit im Gebrauch.

Azurit wird bevorzugt in wässrigen Leimfarben verwendet, in Öl grünt es, in Kalk ist es frisch verarbeitbar, soweit der Kalk eisen- und schwefelfrei ist. Auch Chlor sollte nicht in den zu bemalenden Wänden enthalten sein, da sonst Paratacamit, ein basisches Kupferchlorid, enstehen könnte. Azurit ist nicht hitzebeständig und wird durch Schwefelwasserstoff geschwärzt.

Azurit wurde bei den Ägyptern schon 2500 v.Chr. verwendet, auf den Wandmalereien der Mayas in Bonampak wurde ebenfalls Azurit gefunden. In der Renaissancezeit wurde Azurit "Azzuro" genannt, später nach dem Maler Paolo Veronese auch "Bleu Paul Veronese". Auch in Ostasien wurde und wird immer noch Azurit häufig verwendet.


Azurit MP

basisches Kupfercarbonat blau, PB 30

In der Malerei des europäischen Mittelalters gab es einige Geheimnisse- nicht umsonst galten manche Verfahren als "Geheimes" Wissen der Malerzünfte. Einer dieser ungelösten maltechnischen Fragen ist, weshalb Azurit manchmal in öligen Bindemittelsystemen nicht vergrünt. Ein Kunde von uns- Michael P.- entwickelte für seine eigene Malerei ein Verfahren, um Azurit in Öl blau zu erhalten. Die aufwendige Behandlung der Azurit-Pigmentteilchen liefert als Neben- oder auch Haupterfolg eine Auftrennung der Pigmentteilchen nach Grösse und Reinheit. Dieses MP-Verfahren steht im Einkland mit vielen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen über die Besonderheiten der Kupferpigmente. So fand z.B. das IRPA in Brüssel Proteine auf der Oberfläche fast jeden Pigmentes in den Malschichten der Gebrüder Gebrüder van Eyck. Wir bieten nun diese besonders behandelten Pigmente aus eigener Herstellung an. Diese "MP"- behandlung stellt in erster Linie eine Auftrennung der Pigmentteilchen nach Grösse und Form dar. Wir nutzen diesen Auftrennungseffekt aus, um besonders brilliante Farbnuancen zu erreichen.


aus: Bergwerckslexicon
Armenier Stein
Armenius lapis, ist ein Stein, so zwar dem Namen nach erst aus Armenien gekommen, nun mehro aber sich gar häufig in Teutschen Berwerken befindet, und mehrenteils in Silber-Gruben, neben dem Berg-Grün, siehet grün-blau aus; dahero das Berg-Blau vor die Mahler, daraus gemachet wird, davon eine Sorte immer feiner als die andere ist, nachdem nehmlich der Stein wohl gerieben, gewaschen und von Sand gesaubert worden.


Barytgelb

Bei Barytgelb handelt es sich um einen ganz merkwürdigen hellen, kalten Gelbton, der nur durch Ermischen von Strontiumgelb und Weiss imitiert werden kann.
Chemisch betrachtet ist Barytgelb ein Bariumchromat (BaCrOsub>4). Es kann durch eine Fällungsreaktion von Bariumchlorid und Kaliumdichromat- lösung gewonnen werden.

Das Pigment ist von feiner Beschaffenheit und lässt sich in den verschie- denen Techniken leicht zubereiten. In wässrigen Techniken ist es sehr gut lichtecht und sogar in Kalk haltbar. In alkalischen Lösungen ist es unlöslich, gegen Säuren ist es nicht so gut beständig. Als Ölfarbe ist es weniger zu empfehlen, da es hier zum Vergrünen neigt. In alkalischen Techniken ist es unverträglich mit Neapelgelb. Das Pigment hat sehr geringe Färbekraft und ist halb deckend. - Als chromat- und bariumhaltige Farbe ist sie als giftig einzustufen. Ausserdem steht sie inzwischen im Verdacht, krebs- erregend zu sein. Bei richtiger Handhabung hat der Künstler jedoch nichts Ernsthaftes zu befürchten.

Als Chromatpigment wurde Barytgelb Anfang des 19. Jahrhunderts erfunden. Es hat, ausser in Wandtechniken jedoch nie die Bedeutung der anderen Chromatpigmente Strontiumgelb, Zinkgelb und vor allem Chromgelb erlangen können, was angesichts des blassen Farbtones nachvollziehbar ist.

Barytgelb wird heute nicht mehr hergestellt und ist nur noch in Restbeständen erhältlich. In grösserem Stil fand dieses Pigment als Korrosionsschutzfarbe Verwendung.


Bergblau

Als "Bergblau" bezeichnete, bzw. bezeichnet man vier verschiedene Werkstoffe:

Azurit, ein basisches Kupferkarbonat mit der Formel (CuCO3)2·Cu(OH)2
Synthetisch hergestellter Azurit mit entsprechender Formel.
Basisches Kupferoxid mit der Formel CuO· Cu(OH)2.
Eine Farbmischung asu Phthaloblau, Ultramarin und Zinkweiss, welche in einigen Farbsortimenten, vor allem als Aquarellfarbe anzutreffen ist.
An dieser Stelle interessieren lediglich Typ 2 und 3. Der Synthetisch hergestellter Azurit ist derzeit nicht mehr im Handel erhältlich und wird nur der Vollständigkeithalber erwähnt. Wehlte beschreibt Bergblau als hellblaues, leicht grau-grünstichiges Farbpulver, welches für Öltechniken ungeeignet sein soll, da es unter Bildung von Kupferoleat vergrünt. Dagegen soll es in Wandtechniken und in wässrigen Systemen beständig sein.

Die Variante 3 stellt gewissermassen ein Kuriosum dar. – Hier handelt es sich um einen graustichig türkises Pigment, welches zeitweise von der chemischen Industrie als Katalysator hergestellt wurde. Derzeit wird nur eine chemisch gleiche, aber schmutzig graugrüne Substanz hergestellt, welche für künstlerische Zwecke uninteressant ist.

Das ursprünglich hergestellte und vertriebene Material ist von feiner Beschaffenheit und ähnelt diesbezüglich synthetischem Malachit. Das Pigment hat schwach deckende Eigenschaften und ist nicht für Öl (wegen möglichem Vergrünens) geeignet, eventuell noch für Kunstharz. Ungewöhnlich haltbar ist es in Caparol-Binder und vergleichbaren Acryldispersionen. Das reine Pigment hingegen hält höchstens zwei bis drei Jahre! Danach wandelt es sich in ein graugrünes Pulver um, welches ein wenig stumpfer im Ton ist, als künstlicher Malachit! Dieser merkwürdige Umwandlungsprozess hat jedenfalls nichts mit Lichteinwirkung zu tun, da auch diejenigen Pigmentteile betroffen sind, an die kein Licht gelangt. Möglicherweise spielt Feuchtigkeit hier eine Rolle. – Sollte das Pigment irgendwann wieder erhältlich sein, empfiehlt es sich, nur kleine Mengen für den sofortigen Verbrauch zu erstehen. – Auf keinen Fall sollte man synthetisches Bergblau mit Sulfidpigmenten vermischen, da hier eine schmutzige Verfärbung eintritt!

Wenngleich der veränderte Farbton an Schönheit nicht an den Ausgangsstoff heranreicht, spricht dennoch nichts dagegen, ihn unter gewissen technischen Vorbehalt trotzdem zu verarbeiten.

Anmerkung: Die Firma Kremer Pigmente vertreibt unter dem Namen Bremerblau ein künstliches Kupferkarbonat.
Bei Wehlte handelt es sich bei Bremerblau um Kupferhydroxid (Cu(OH)2)!


Bergkristall

Chemische Zusammensetzung : SiO2, reiner Quarz
Als Verunreinigung in unreiner Form in fast allen Erdfarben enthalten. Gezielt wurde Bergkristall als Füllstoff nur sehr selten verwendet, da die Schwierigkeiten der Pulverisierung sehr hoch sind. Als Abfall bei der Schmuckherstellung aus Bergkristall standen jedoch immer kleien Mengen für die Malerei zur Verfügung.

Berkristall wird in Klüften in den ganzen Alpen in kleinen Mengen gefunden.

Die hohe Durchsichtigkeit und Brillanz der kleinen Bergkristallstückchen geht bei zu feiner Mahlung verloren. In der anthroprosophischen Medizin und Malerei hat Bergkristall eine besondere Bedeutung erhalten. Auch in der Malerei im Himalayagebiet erhielt Bergkristallpulver eine besondere Bedeutung.


Bister

aus Glanzruß
Die in Soda nicht auflösbaren Bestandteile des Glanzrusses aus Holzfeuerungen.
Wegen seines braunschwarzen Farbtones besonders für Zeichnungen auf Papier beliebte Farbe.
Geeignet für wässrige Arbeiten auf Papier, nicht für Öl oder Kalk.


Blauholzextrakt

Blauholzextrakte werden hergestellt, indem man Blauholz mit Wasser auskocht (französisches Verfahren) oder mit Dampf unter Druck behandelt (amerikanisches Verfahren) und danach im Vakuum eindampft.
Das Dampfdruckverfahren liefert die grösste Ausbeute an Farbstoff, jedoch können Gerbstoffe und Harze in diesen Extrakten enthalten sein, welche in Färbeprozessen stören können. Bessere Extrakte erhält man, wenn man die Abkochung eine zeitlang stehen lässt und den klaren Überstand abseiht und eindickt. Es werden sowohl feste als auch dicke, zähflüssige Extrakte gehandelt.

Die Güte eines Blauholzextraktes kann nur durch Probefärben ermittelt werden. Unter dem Namen "Hämtein" sind sehr reine, französische Extrakte auf dem Markt.

Unter Zusatz von Schwermetallsalzen kann aus Blauholzextrakt Lack gewonnen werden. Die unter Eisenzusatz gewonnenen Schwarztöne sind unbeständig im Licht und gegen Seifen, Säuren und Alkalien. Beständiger sind die Chromsalzen hergestellte Lacke.
Gibt man bei der Lackfällung Tonerde als Substrat zu und fällt mit Chromsäure und Zinnsalz, so erhält man sogenannten Bronzelack, der eine rötlich- oder bräunlichschwarze Farbe mit metallischem Glanz besitzt.


Bleiglanz, Galena

Chemische Zusammensetzung : Bleisulfid, PbS
Bleiglanz oder Galenit ist eines der wichtigsten Bleierze und war die Basis vieler Bleifarben im Altertum, gleichzeitig wichtiger Rohstoff für die Herstellung von Bleigläsern.

Das Reaktionsprodukt von Bleiweiss mit Schwefelwasserstoff führt zu einer Vergrauung bzw. Verschwärzung von Bleiweissanstrichen. Unabhängig von dieser Vergrauung wurde in verschiedenen Wandfarben in der Renaissance und im Barock Bleiglanz als farbgebendes graues Pigment festgestellt. Es führt zu einem ganz besonderen Charakter in der Wandgestaltung.


Bleiweiss, Kremserweiss

engl.: lead white, flake white
franz.: blanc de plombe, blanc d'argent
andere Namen: Kremnitzerweiss, Berlinerweiss, Silberweiss, Cerussa

Bleiweiss ist ein schweres, weiches Pulver mit einer Dichte von 6,8. Für künstlerische Zwecke sollte es keinen Gelbstich besitzen. Es handelt sich hier chemisch gesehen um basisches Bleicarbonat von der Formel 2PbCO3.PbOH2. Es wird synthetisch hergestellt, indem Essigsäuredämpfe über Bleiplatten geleitet werden. Die Güte des Pigmentes hängt von der Reinheit der verwendeten Bleiplatten ab. Durch das enthaltene Schwermetall Blei ist es giftig.

Die Beständigkeit dieses Weisspigmentes ist nicht in allen Bindemittelsystemen gegeben. In Ölfarben neigt es zum Vergilben. Das gleiche gilt für Öl-Kasein-Emulsionen. Bleiweiss ist ausserdem empfindlich gegen Schwefelverbindungen. In Gegenden mit vielen Industrie- oder Autoabgasen sieht man häufig Schwärzungen, welche die Bildung des schwarzen Bleisulfids hinweisen. Nach Doerner können diese Schwärzungen an der frischen Luft wieder zurückgehen. Ein Abschlussfirnis aus Mastix- oder Dammarharz kann diese Reaktionen weitgehend verhindern. Auch schwefelhaltige Pigmente wie die Cadmiumpigmente, Zinnober oder Ultramarinblau könnten mit dem Blei des Bleiweiss reagieren, jedoch ist dies selten beobachtet worden. Restauratoren wandeln das schwarze Bleisulfid durch Betupfen mit Wasserstoffperoxid in weisses Bleisulfat um (Mühlhauser Weiss, schwefelsaures Blei). Bleisulfat ist beständig und verändert sich nicht mehr.

Bleiweiss ist gegen starke Säuren oder Laugen wenig beständig, in Kalk- oder Wasserglastechniken kann es nicht verwendet werden, da es sich zu Bleibraun umwandelt. In Salpeter- oder Essigsäure ist es ebenso nicht einzusetzen. Das Pigment ist nicht hitzebeständig. Erhitzt man das Pulver, so wird das Pigment zunächst rot, später dann gelb. Dieses neu entstandene Pigment ist das ebenfalls seit alten Zeiten bekannte Bleigelb oder Massicot.

Bleiweiss besitzt ausgezeichnete Deckkraft, wodurch es allerdings z.B. für Aquarell ungeeignet wird. Für Ölfarben verzichtet man beser auf Leinöl, da Bleiweiss in diesem Öl, besonders, wenn es im Dunkeln steht, zum Vergilben neigt. Man nimmt statt dessen Mohn- oder Sonnenblumenöl, der Bedarf liegt etwa bei 15%. Diese Öle trocknen etwas langsamer als Leinöl, aber Bleiweiss ist, wie alle bleihaltigen Pigmente, ein guter Trockner. Ein Zusatz von weissem Bienenwachs stabilisiert die Konsistenz und verringert gleichzeitig die Tendenz zu gilben. Ausserdem kann durch einen Wachszusatz verhindert werden, dass die sehr schweren Pigmentteilchen in der Farbe absinken. Die Nachteile dieses Weisspigmentes werden von Künstlern oft einfach dadurch umgangen, dass sie Bleiweiss durch Titanweiss ersetzen. Für Aussenanstriche kann basisches Bleisulfat, sogenanntes Sulfobleiweiss statt des giftigen Bleiweiss benutzt weden, jedoch ist es nicht so rein.

Zur Vermeidung von Vergiftungen sollten die richtigen Schutzmaßnahmen im Sicherheitsdatenblatt nachgelesen und befolgt werden.


Bleizinngelb

lead-tin yellow (type I)

Chemische Zusammensetzung : Pb2SnO4
Bleizinngelb war lange vor der Erfindung des Neapelgelb ein Nebenprodukt aus der Herstellung von weissen Überfangglasuren in der Keramik oder der Glasherstellung. Wegen seiner hervorragenden Lichtechtheit und hohen Beständigkeit war es sehr weit verbreitet. Auch wenn seine Herstellung lange verborgen war und das Bleizinngelb für eine Art Neapelgelb gehalten wurde, ist Bleizinngelb eine eigenständige Farbe.

Bleizinngelb (Typ I)wird durch Hochtemperatur-Festkörperreaktion zwischen Bleioxid und Zinnoxid hergestellt.

Je nach Mengenverhältnis von Blei- und Zinnoxiden, sowie der angewandten Temperatur und Dauer der Temperatureinwrikung erhält man verschiedene Gelbtöne.

Über das Thema der gleichzeitigen Verwendung von Bleizinngelb mit Neapelgelb oder einem möglichen gelben antimonhaltigem Bleizinngelb gibt es momentan weitere Forschungen.

Bleizinngelb enthält Blei und ist giftig!

Chemische Zusammensetzung : Pb2SnO4
Bleizinngelb war lange vor der Erfindung des Neapelgelb ein Nebenprodukt aus der Herstellung von weissen Überfangglasuren in der Keramik oder der Glasherstellung. Wegen seiner hervorragenden Lichtechtheit und hohen Beständigkeit war es sehr weit verbreitet. Auch wenn seine Herstellung lange verborgen war und das Bleizinngelb für eine Art Neapelgelb gehalten wurde, ist Bleizinngelb eine eigenständige Farbe.

Bleizinngelb (Typ I)wird durch Hochtemperatur-Festkörperreaktion zwischen Bleioxid und Zinnoxid hergestellt.

Je nach Mengenverhältnis von Blei- und Zinnoxiden, sowie der angewandten Temperatur und Dauer der Temperatureinwrikung erhält man verschiedene Gelbtöne.

Über das Thema der gleichzeitigen Verwendung von Bleizinngelb mit Neapelgelb oder einem möglichen gelben antimonhaltigem Bleizinngelb gibt es momentan weitere Forschungen.

Bleizinngelb enthält Blei und ist giftig!


Bleizinngelb 2

lead-tin yellow (type II)

Chemische Zusammensetzung : Pb(Sn,Si)O3
Dieses Bleizinngelb wird auf einem anderen Wege hergestellt wie das Bleizinngelb (Typ I). Blei- und Zinnoxide werden mit Quarzmehl zu einem gelben Bleikristallglas geschmolzen und zu Pulver gemahlen. Während der Schmelzprozess ganz einfach erfolgt, ist die Mahlung und Siebung des harten Glases nicht ganz einfach.

Bleizinngelb (Typ II) hat einen deutlich wärmeren Farbton wie Bleizinngelb (Typ I)und ist sehr viel weniger deckend.

Damit eignet sich Bleizinngelb (Typ II) für warm-gelbe Lasuren. Der Farbton könnte als Kanariengelb oder auch als Löwenzahngelb bezeichnet werden. Vermutlich wurde Bleizinngelb (Typ II) zuerst entdeckt, es entsteht ganz unproblematisch aus mit Zinn verunreinigtem Blei bei der Bleiglasproduktion.

Über das Thema der gleichzeitigen Verwendung von Bleizinngelb mit Neapelgelb oder einem möglichen gelben antimonhaltigem Bleizinngelb gibt es momentan weitere Forschungen.

Bleizinngelb enthält Blei und ist giftig!


Bremer Blau

künstliches Kupferkarbonat

Bremer Blau ist ein künstliches Kupferkarbonat und war eine weit verbreitete Wandfarbe im 17. und 18. Jahrhundert, mit einem gewissen Gebrauch noch im 19. Jahrhundert. Dieses synthetische Azurit hat ein etwas grünlicheren Farbton als natürliches Azurit. Der Farbauftrag ist sehr viel gleichmässiger als mit Azurit. Es gibt Hinweise für den Gebrauch einer Mischung von Bremer Blau und Smalte für dunklere Farbtöne.
Bremer Blau ist kalkecht, deswegen wird es auch Kalkblau genannt; es ist auch in Leim und Tempera geeignet, nicht für Öl. Dieses Pigment wird in "Artist's Pigments, Volume II" von Rutherford J. Gettens und Elizabeth West Fitzhugh auf Seite 31 beschrieben.

Siehe auch : Bergblau


Cadmiumgelb

vom hellsten kalten bis zum warmen Orangeton reicht die Skala der Cadmiumgelb.
Gutes Färbe- und Deckvermögen, aber in dünnen Schichten auch lasierfähig. Hoher Bindemittelbedarf, nicht giftig (außer die Dämpfe beim Verbrennen)

Chemisch: Cadmiumsulfid (CdS)


Cadmiumgrün

Dieses Mischpigment wurde früher aus Chromoxidhydratgrün und Cadmiumgelb durch Verkollerung gewonnen. Künstlerfarbhersteller sind jedoch schon lange dazu übergegangen, das teurere Chromoxidhydratgrün durch das tonlich ähnliche und gleichfalls geeignete Heliogengrün (Phthalocyaningrün) auszutauschen. Leider wird es aber im Künstlerfarbsektor mehr und mehr Mode, zusätzlich Streckmittel wie Schwerspat oder Zinkweiss zuzusetzen. Daher sollte man Wert auf Werkstoffe legen, bei denen die unterschiedlichen Komponenten exakt genannt werden. Seit einiger Zeit sind unter der Bezeichnung Cadmiumgrün zwei unterschiedliche Nuancen, eine hellere gelbstichigere und eine dunklere blaustichigere, im Handel. Hierbei handelt es sich um eine Nassverkollerung von sehr hellen Cadmiumgelbtönen und grünstichigen Ultramarinsorten. Diese Mischung ist insofern interessant, als es sich hier um zwei sulfidische Pigmente handelt, Cadmiumsulfid und ein komplexes Natrium-Aluminium-Silikat-Sulfid. Man kann dies nachweisen, indem man über eine Pigmentprobe etwas Salzsäure giesst. Es entweicht Schwefelwasserstoffgas. Aufgrund der grossen chemischen Stabilität der Cadmiumgelbtöne kann man Cadmiumgrün als ungiftig bezeichnen, egal, welche Blaukomponenten es enthält.
Das enthaltene Cadmiumgelb ist zwar ein Sulfidpigment, aber dennoch universell für alle Techniken geeignet. Der mögliche Schwachpunkt liegt also im Ultramarinblau. Setzt man voraus, dass eine kalkechte Ultramarinsorte als Mischungskomponente gewählt wurde, handelt es sich bei diesem neuen Typus von Cadmiumgrün tatsächlich um ein für alle Techniken geeignetes Pigment. Vorsicht ist jedoch bei Mischungen mit kupferhaltigen Pigmenten (Phtalocyaningrün ausgenommen) und bleihaltigen Pigmenten geboten, wenngleich es bei Ausmischung mit Kremserweiss (Bleiweiss) nie Probleme gegeben haben soll. Allerdings sind Sulfidpigmente säureempfindlich, was jedoch in der malerischen Praxis kaum von Belang sein dürfte. Aufgrund des Gehaltes an Cadmiumsulfid stellt Cadmiumgrün in jedem Fall ein deckendes Pigment dar.

Die Verarbeitung zu Farbe ist einfach. Die Schwierigkeiten, die bei der Herstellung von Ultramarinölfarbe auftreten, hat man hier nicht, da die stofflichen Eigenschaften von Cadmiumgelb eindeutig überwiegen. Durch eigene Mischung von Cadmiumgelb und einem Ultramarinton erhält man nie dieses reine Grün, da durch die fabrikatorische Nassverkollerung die Pigmente auf das Innigste miteinander vermischt werden. Daher ist die Anschaffung dieses soliden Pigmentes als durchaus sinnvoll zu erachten. Es gelten die gleichen Herstellungsbedingungen wie bei Cadmiumgelb, das heisst, in wässigen Techniken genügt ein Anspachteln mit dem Bindemittel, bei Herstellung von Ölfarbe können im Prinzip alle trocknenden Öle verwendet werden. Soll die Ölfarbe in Tuben abgefüllt werden, empfiehlt sich in jedem Fall ein Anreiben mit dem Glasläufer.


Cadmiumrot

sehr gut lichtecht, jedoch in starken Weißausmischungen nicht wetterfest.
Großes Färbevermögen, gute Deckkraft, mäßige Lasierfähigkeit.
Nicht verträglich mit Kupfer- oder bleihaltigen Pigmenten.
Nicht giftig.

Chemisch: Cadmiumsulfidselenid (CdS CdSe)


Carmin Naccarat

Fällt mit den heissen wässrigen Auszug aus Cochenille mit einem eisenfreien Alaun (Verlackung), so erhält man ein dunkelrotes Pulver, welches Carmin Naccarat genannt wird. Es handelt sich hier um einen Substratfreien Aluminium- oder Aluminium-Calcium-Lack, der ohne Zusatzstoffe gefällt wurde. Wird Stärke, Barytweiss oder gebrannter Kaolin zum Fällen verwendet, erhält man hellere, gelbstichigere Rottöne. Durch Zusatz von Zinnsalzen wird ein scharlachroter Farblack gefällt, welcher auch Cochenillescharlach genannt wird. Carminviolett ist der Bleilack der Carminsäure.
Durch Niederschlagen der Karminlacke auf frisch gefällten Krapplacken, auf Zinnober oder durch Behandeln von Rotholzlacken mit Cochenilleabkochungen erhält man Mischlacke. Man nennt sie Cochenille-Krapplack, Cochenille-Rotholzlack oder, auf Zinnober, Münchner Lack. Kugellack, Wiener-, Pariser-, Venetianer- oder Florentinerlack sind Namen zumeist geschönter Carminlacke.
Carminlacke sind, im Gegensatz zu Carminsäure, wasserunlöslich. Sie sind für Aquarell, Leimfarben, Ölfarben und Tempera einsetzbar. In Kalk ist die Beständigkeit nicht sehr gut. Auch in Wasserglas ist die Echtheit nicht gut. Carminlacke sind nicht besonders lichtbeständig, sie können, auch im Kunstlicht, vergilben. Gegen Schwefelwasserstoff hingegen sind Carminlacke unempfindlich.


Chromgelb

wird wegen seiner Giftigkeit und Entbehrlichkeit zur Zeit vom Markt genommen und durch Hansagelb ersetzt.


Chromoxydhydratgrün

sehr gut licht-, wetter- und alkaliecht.
Hitzebeständig nur bis ca. 95-1050C, hoher Bindemittelbedarf, schlechte Konsistenzstabilität, Lasurpigment.
Nicht giftig (Kosmetikpigment)

Chemisch: reines Chromoxydhydrat Cr a0 (OH)4


Chromrot

sehr gut lichtecht, in Öl etwas verbräunend, nicht so leuchtend wie Cadmiumrot.
Sehr gutes Deckvermögen, geringe Lasierfähigkeit, geringe Konsistenzstabilität (neigt zum Verlaufen)

Chemisch: Basisches Bleichromat (PbCrO4xPb(OH) 2)
Giftig (Gruppe 3)


Chrysokoll

Chemische Zusammensetzung: CuSiO3.nH2O
Wegen seiner schlechten Mahlbarkeit war Chrysokoll nur eingeschränkt in der Malerei gängig. Durch seine deutlich stabilere Bindung in der Silikatmatrix ist das Kupfer hier weniger löslich als in Azurit und Malachit. Dadurch ist Chrysokoll auch in ölhlatigen Malmitteln verwendbar.
Eigentlich türkisgrüne Stücke gibt es praktisch nicht. Wegen der wechslenden Zusammensetzung des Chrysokolls variiert die Farbe von einem hellen Malachit-Grün bis fast zu Azurit-Blau.

Fundort: In Randbereichen von Kupferminen; in Colorado, USA, gibt es einen "Chrysokoll-Berg"


Cochenille, echt

engl.: cochineal, franz.: cochenille

Cochenille sind getrocknete, weibliche Schildläuse, welche auf Kakteen (z.B. Opuntia coccinellifera, Nopalea cochenellifera) leben. Der wissenschaftliche Name für diese Läuse lautet Dactylopius coccus. Nach dem Larvenstadium setzen sich die nur wenige Millimeter grossen Insekten auf der Pflanze fest, wo sie bis zu ihrem Tod unbeweglich verbleiben. Sie ernähren sich ausschliesslich von Pflanzensaft. Die Cochenilleläuse werden durch abstreifen mit Pinseln oder Palmwedeln mehrmals im Jahr "geerntet".
Da es sehr mühsam ist, Cochenilleläuse in der freien Natur auf ihren Wirtspflanzen zu suchen, werden diese Pflanzen in Kulturen angepflanzt und mit Läusen "beimpft". Solche auch Nopalerien genannten Plantagen gibt es hauptsächlich in Peru, Mexiko, Guatemala und Honduras. Auf einem Hektar können 300-400 kg Läuse geerntet werden. Für ein einziges Kilo werden etwa 140.000 Läuse benötigt. In Europa sind die Kanarischen Inseln ein wichtiger Lieferant für Cochenille von Wildstandorten.

Neben dieser "amerikanische Cochenille" sind zwei weitere Läusearten im Handel, welche aus Polen, der Ukraine, Kleinasien und dem Kaukasus stammen (polnische Cochenille, Porphyrophora polonia) oder aus Armenien und Azerbeidjan geliefert werden (armenische Cochenille, Porphyrophora hameli). Man unterscheidet die verschiedenen Cochenilleläuse anhand ihrer Inhaltsstoffe. Die Hauptfarbstoffe sind, jeweils in unterschiedlichen Anteilen, Karminsäure, Kermessäure und Flavokermessäure (Laccainsäure D). Chemisch sind diese drei Säuren in die Gruppe der Anthrachinone einzuordnen.

Cochenilleläuse können in unterschiedlichen Erscheinungsformen erworben werden. Die Art der Weiterverarbeitung der geernteten Läuse bestimmt dabei über das Aussehen. Wurden die Läuse mit Schwefeldämpfen getötet und in Öfen getrocknet, so ist die Cochenille weiss überstäubt und wird als "Silbercochenille", "silberglänzende Jaspeada" oder auch "Grana jaspeada" gehandelt. Das Trocknen in der Sonne führt zu einem grauen Äusseren der Läuse ("Grana grisea"). Wurden die Läuse durch kochendes Wasser getötet, so geht die äussere Wachsschicht verloren und die Läuse bekommen ein glänzendes, rötlich schwarzes oder braunes Aussehen ("Grana negrilla"). Cochenille von Wildstandorten wird als "Grana silvestris" gehandelt.

Während für grobe Stoffe früher hauptsächlich Krapp oder Flechtenpurpur (Orchil) verwendet wurde, wurden feine Woll- und Seidenstoffe mit der teureren Cochenille eingefärbt. Je nachdem ob Zinn oder Aluminium zur Beize zugesetzt wurde, konnten karmesinrote, rosa oder scharlachrote Farbtöne erzielt werden. Durch Alkalisierung des Färbebades erhielt die Farbe einen Blaustich. Sehr häufig wurden auch Cochenille-Lacke hergestellt. Unter dem Namen Carmin Naccarat ist ein Aluminium- oder ein Aluminium-Calcium-Lack der Carminsäure im Handel (siehe auch Nr. 42100 Carmin Naccarat).


Côte d'Azur Violett

Glimmerartiger, harter Schiefer, durch Eisen und Mangan violett gefärbt. Zwischenstufe zwischen Ockern und Radiolariten.
Soweit lokale Fundstellen von stark farbigen Mineralien zur Verfügung standen erhielten solche Pigmente eine gewisse lokale Bedeutung.

In der Schweiz bei Sargans, zwischen Nizza und Turin in den Seealpen sind zwei heutige zugänglichen Fundstellen.


Drachenblut

Drachenblut ist ein rotes Harz, welches sowohl als Pulver als auch als Stücke oder Kugeln, teilweise mit goldenem Siegel, gehandelt wird. Festes Drachenblut sieht sehr dunkel, eher braun als rot, aus und ist meist mit rötlichem Pulver überstäubt. Ursprünglich wurde nur das von der Insel Socotra (westlich von Somalia, aber zu Yemen gehörig) stammende rote Harz als Drachenblut bezeichnet. Später wurde der Begriff auf andere rote Harze ausgedehnt.
Die Rotanpalme Daemonorops draco (früher Calamus draco), von der das Drachenblut ursprünglich gewonnen wurde, ist in Indien, auf den Molukken und auf Sumatra und Borneo heimisch. Sie ist eine nur wenige Zentimeter dicke aber bis zu 100 Metern lange lianenartige Palme. Das Harz wird während der Fruchtreife in den Fruchtständen zwischen den Früchten gebildet. Neben der Rotanpalme liefern auch verschiedene, der Gattung Dracaena, angehörige Pflanzen Drachenblut, z.B. Dracaena draco auf den Kanarischen Inseln oder Dracaena cinnabari auf Socotra. Die Dracaena-Arten sind botanisch gesehen eine Besonderheit: normalerweise wachsen einkeimblättrige Pflanzen, zu denen die Dracaena-Arten gehören, nur in die Länge, sind aber nicht in der Lage, in die dicke zu wachsen. Die Dracaena- oder zu deutsch Drachenbäume brechen dieses Prinzip und bilden dicke Stämme mit zum Teil mehr als 10 Metern Umfang, die z.B. auf Teneriffa grosse Touristenattraktionen sind. Es gibt Bäume, welche das Harz "freiwillig" absondern, in manchen Gegenden werden die Bäume, ähnlich wie bei der Kautschukgewinnung, angeritzt, damit das Harz geerntet werden kann. Auch verschiedene Croton-Arten liefern Drachenblutharz, z.B. Croton erythrina und Croton draco.

Das Harz setzt sich aus verschiedenen, den Xanthonfarbstoffen zuzuordnenden Bestandteilen zusammen. Den grössten Anteil macht mit knapp 60% das Dracoresin, ein rotes Esterharz, aus. Weiterhin sind etwa 18% Pflanzengewebe und 8% Asche, ausserdem Dracoresen (ca. 13%) und Dracoalban (ca. 2,5%) enthalten. In Ether unlösliches Harz, Phlobaphen, Nordin, Dracorubin und Dracorhodin kommen jeweils zu weniger als einem Prozent im Drachenblut vor. Dracorubin ist hierbei der Hauptfarbstoff des Drachenblutes. Drachenblutharz ist in Wasser und Petrolether unlöslich, in Eisessig, Chloroform, Ether, Nelkenöl und anderen Ätherischen Ölen löst es sich unterschiedlich gut. Je nach Herkunft schmilzt Drachenblutharz zwischen 60 und 100°C. Bei höheren Temperaturen können stark reizende, rote Dämpfe entstehen. Ein gutes Harz sollte nach Auflösen in Alkohol nicht mehr als 10% Reststoffe aufweisen.

Drachenblut fand eher Anwendung in der Medizin als in der Kunst. Es konnte äusserlich bei Skorbut oder zur Wundbehandlung ebenso wie innerlich gegen Durchfall verwendet werden. Auch zur Einbalsamierung von Toten wurde das Harz benutzt. Heutzutage hat es jedoch seine Bedeutung in der Medizin verloren.
Bei Tischlern und Geigenbauern ist DRachenblut zur Herstellung von Lacken und Firnissen sowie für Farbmischungen zum Einsatz gekommen. Ein mit Drachenblutharz getränktes Indikatorpapier, das sogenannte Dracorubinpapier, kann zur Unterscheidung von Benzol (Rotfärbung) und Benzin (Braunfärbung dea Papiers) herangezogen werden. In der Photographie wurden rote Pigmentpapiere unter Verwendung von drachenblut hergestellt. Bei der sogenannten amerikanischen Zinkätzung wurde es als Ätzgrund eingesetzt.


Eisenblau

Vivianit natur
Chemische Zusammensetzung : wasserhaltiges Eisenphosphat
Besondere Häufigkeit der Anwendung erlebte Vivianit in den Hintergrundhimmeln in den Tafelbildern der Kölner Schule im 13. und 14. Jahrhundert.

Die kristallinen und erdigen Formen des Vivianits werden seit altersher als blaue Farbe benutzt. Das Pigment ist licht- und bindemittelecht. Die Kristalle sind weitgehend in Form von glimmerartigen Platten, welche in dünnem Zustand grünlich durchsichtig aussehen. In Europa sind die meisten Vivianite entweder in Braunkohlegruben oder am Boden von Mooren als Umwandlungsprodukte von Knochen gefunden worden. Heute kommt die grösste Menge des Vivianits entweder aus dem Elefantenfriedhof in Kamerun oder aus Bolivien. Die Kristalle sind nicht sher stabil, zerfallen leicht und sind im Mineralienhandel sehr gesucht.


Eisenoxidschwarz

Bei Oxidschwarz handelt es sich um ein tiefschwarzes Pigment, welches in drei Nuancen erhältlich ist: einer neutralen, einer blaustichigen und einer braunstichigen Tönung, welche jedoch erst bei Weissausmischung deutlich wird. Die Bezeichnung "Marsschwarz" wird ebenfalls für Oxidschwarz verwendet.
Chemisch kann Eisenoxidschwarz ähnlich wie Oxidrot als Mischoxidpigment aufgefasst werden. Eisen-II-Oxid und Eisen-III-Oxid bilden hier ein gemeinsames Kristallgitter. Formel: FeO.Fe2O3. Oxidschwarz geht bei etwa 180°C zunächst in braunes Eisenoxid, bei etwa 350°C dann in Oxidrot über. (Die Stabilitätsgrenze von 180°C gilt auch für Oxidgelb.) Im Gegensatz zu Oxidrot und Oxidgelb ist Oxidschwarz ferromagnetisch. Eisenoxidschwarz kann sowohl aus Eisenoxidgelb über Oxidrot hergestellt werden als auch aus Eisensalzen, z.B. Eisensulfat (FeSO4). Wahrscheinlich wurde es Anfang dieses Jahrhunderts zuerst hergestellt. Die Teilchengrösse liegt zwischen 0,1 und 1µ. Kleinere Teilchengrössen führen zu Lasurfarben. Die verschiedenen Nuancen, in denen Oxidschwarz erhältlich ist, werden ebenfalls durch die Teilchengrösse bedingt. Oxidschwarz ist sehr gut säure-, alkali- und kalkbeständig und die Pigmentpartikel lassen sich auch in Lösungsmitteln nicht lösen, so dass kein Bluten stattfindet. Ausserdem zeichnet sich das Pigment durch gute Licht- und Wetterechtheit sowie durch gute Deckkraft aus. Aufgrund des relativ hohen spezifischen Gewichtes findet kein Aufschwimmen der Pigmentpartikel statt, was bei Kohlenstoffschwarz (z.B. Beinschwarz, Flammfuss) der Fall sein kann. Wie alle Eisenoxidpigmente ist Oxidschwarz völlig ungiftig und technisch absolut sicher.

Oxidschwarz stellt ein sehr feines, weiches Pulver dar, welches allerdings spürbar schwerer ist als das leichte Spinellschwarz. Das sehr preiswerte Pigment konnte sich erst in jüngster Zeit für künstlerische Zwecke durchsetzen. Zuvor hatte es breitere Anwendung in der Industrie gefunden. Im Bereich der Kunst wird es vor allem für die verschiedensten Wandtechniken geschätzt. Sowohl in Kalk als auch in Zement komt es gut zur Geltung. Als Ölfarbe ist es praktisch nicht anzutreffen und in Aquarell aufgrund seiner ausgezeichneten Deckfähigkeit unüblich. Reines Oxidschwarz erreicht einerseits eine grössere Tiefe als das dunkelgraue Manganschwarz, ist aber nicht so tiefschwarz wie Elfenbein-, Bein-, Reb-, Lampen- oder Spinellschwarz. Gegenüber den Kohlenstoffschwarzsorten hat es jedoch den Vorteil, dass es aufgrund ähnlicher Eigenschaften als Mischkomponente für mineralische Farben eher geeignet ist als die sehr leichten Kohlenstoffpigmente. Auch die Verarbeitung des Pigmentes zu Farbe geht einfacher von der Hand als bei den normal üblichen Schwarzpigmenten. Für kleinere Mengen an Ölfarben genügt ein Anspachteln. Geeignetes Öl ist Lein- oder Walnussöl, da die Trockenwirkung neutral ist. Bei Abfüllungen in Tuben ist mit dem Glasläufer anzureiben. Die Herstellung von wässrigen Farben ist noch unproblematischer: hier genügt ein Anspachteln.


Elfenbeinschwarz

Chemische Zusammensetzung: verkohltes Elfenbein, kohlehaltiges Kalziumphosphat
Gebranntes Bein und gebranntes Elfenbein sind seit altersher für ihre besondere Schwärze berühmt.

Das Rohmaterial wurde früher aus Afrika oder Indien importiert. Durch die Artenschutzgesetzgebung bestehen heute nur noch Altbestände an Elfenbeinschwarz. Mit neuen Einfuhren ist in absehbarer Zeit nicht zu rechnen.

Elfenbeinschwarz ist besonders zur Verarbeitung in Wasser- und Ölfarben geeignet.


Epidot

Epidot tritt häufig in pistaziengrünen, schönen Kristallen auf. Das klaziumhaltige Eisen-/Aluminiumsilikat komplexer Zusammensetzung ist sehr häufig.
Durch die schwierige Differenzanalyse zwischen den verschiedenen Grünen Erden wird normalerweise nur Grüne Erde gefunden. Welche Grüne Erde in historischen Bildern vorliegt, ist bisher meist noch nicht genau untersucht worden.

Die grössten Vorkommen in Europa sind im Piemont, in Österreich und Russland, auch auf Elba und in der Toskana.

Das gelbgrün pistazienfarbige Pigment dürfte in vielen gelbgrünen Wiesen der Frühgotik das bestimmende Pigment sein.


Frauenmantelkraut

Frauenmantel ist eine bis 30 cm grosse, ausdauernde Pflanze mit dem lateinischen Namen Alchemilla vulgaris aus der Familie der Rosaceen.
Dieses Kraut ist seit alters her sowohl für medizinische als auch für alchemistische Zwecke eingesetzt worden, woher auch der lateinische Name Alchemilla stammt. In der Alchemie wurde nicht nur das Kraut, sondern auch die sich auf den trichterförmigen Blättern sammelnden Tautropfen geschätzt.

Die im Frauenmantelkraut enthaltenen Gerbstoffe sind vom Tannintyp. Ausserdem sind Glycoside der Ellagsäure vorhanden, welche ebenfalls zu den Gallotanninen zu rechnen sind.

Hauptsächlich im Baltikum und in Norwegen wurden die getrockneten Blätter und Stengel zum Färben von Wolle verwendet. Es können schöne zitronengelbe Farbtöne gefärbt werden, wenn die zu färbenden Textilien mit Alaun vorgebeizt wurden. Eine Nachbehandlung mit Kupfervitriol verändert die Töne zu Oliv oder gelblichem Grün.


Galläpfel

engl.: gallnuts, oak apples
franz.: noix de galle, galles

Galläpfel sind Auswüchse, welche an Blättern, Zweigen und Knospen bestimmter Eichenarten, hauptsächlich Quercus infectoria, entstehen. Ursache für die Wucherungen ist die Eiablage einer Gallwespe (meistens der Färbergallwespe Cynips tinctoria), durch welche das pflanzliche Gewebe zum Wachstum angeregt wird. Eine Galle ist damit eigentlich eine Schutzhülle für die heranwachsende Wespenlarve.

Ausser der Färbergallwespe gibt es noch einige andere Gallwespen, durch deren Eiablage Gallen hervorgerufen werden. Auch bei den Eichen gibt es verschiedene Arten, welche befallen werden können. Bedingt durch Wespen- und Eichenart lassen sich verschiedene Gallen unterscheiden. Die wohl berühmtesten kommen aus der Türkei und werden auch Levantinische oder Aleppogallen genannt. Sie sind 1 bis 2 cm im Durchmesser gross, sind hellgelb (ältere) oder grünlich (jüngere) und enthalten 50 bis 70 % des Gerbstoffes Tannin. Die Farbe hat mit dem Gerbstoffgehalt nichts zu tun. Aleppogallen sind so hart, dass sie beim Zerschlagen in scharfkantige Stücke zerspringen. Die besten türkischen Gallen heissen Jerligallen. Auf dem Markt sind ausserdem Gallen aus Deutschland, Österreich, Ungarn, Istrien, Morea, Bassorah (auch Sodomsäpfel) oder Bokhara. Alle dieser Gallenarten enthalten jedoch nur etwa 30 bis 40 % Gerbstoffe. Gemahlene Bassorahgallen sind als "Rove" im Handel erhältlich.

Chinesische Gallen werden nicht durch eine Wespe, sondern durch eine Blattlaus verursacht, sind auf Sumach-Pflanzen zu finden und werden daher auch Sumachgallen genannt. Sie sind von unregelmässigem Aussehen, eher länglich, sehr leicht und bis zu 8 cm gross. Sie enthalten bis zu 75% Gerbsäure.

Knoppern kommen aus Ungarn oder Österreich und werden ebenfalls durch eine Wespe verursacht, sind aber nur an den Kelchen von Eicheln der Stieleiche zu finden. Sie können die Grösse einer Walnuss erreichen und enthalten etwa 30 bis 40 % Gerbstoffe. Knoppern werden z.B. in Österreich zum Gerben von Schuhsohlen verwendet.

Die in den Gallen enthaltenen Gerbstoffe haben die Eigenschaft, mit in der Haut enthaltenen Eiweissstoffen unlösliche, nicht quellende Verbindungen einzugehen. Dieser Vorgang ist die Umwandlung von Haut in Leder, oftmals wird mit Eisenvitriol eine zusätzliche Schwärzung des Leders bewirkt.

Eisengallustinte wird, wie der Name schon sagt, ebenfalls unter Verwendung von Gallen hergestellt. Auch hier wird Eisenvitriol (Eisen-(II)-Sulfat) eingesetzt, welches sich an der Luft mit der aus den Gallen stammenden Gallussäure zu Eisen-(III)-Gallat verbindet. Eisengallustinte wird häufig erst auf dem Papier schwarz.

In der Textilfärberei lassen sich mit Gerbsäuren aus Galläpfeln nur graue Töne erzielen. Oftmals wurden Galläpfel daher nur zum Vorbeizen verwendet, um andere, schwarze Farbstoffe besser auf der Faser fixieren zu können. Eine solche Grundierung wird auch zum schwermetallfreien Beschweren von Seide durchgeführt, da sich grosse Mengen an Gerbstoffen in die Textilien einlagern.


Gelbholz

engl.: old fustik, dyer's mulberry, yellow wood
franz.: mûrier des teinturiers, bois jaune

Gelbholz ist das gelbe, häufig mit rötlichen Adern durchzogene Kernholz des Färbermaulbeerbaums Chlorophora tinctoria aus der Familie der Moraceae. Ältere Namen für den Färbermaulbeerbaum sind Morus tinctoria, Maclura tinctoria oder Broussonetia tinctoria. Dieses auch "alter Fustik" genannte Holz darf nicht mit dem "neuen Fustik" verwechselt werden, welcher auch "Fisetholz" genannt wird und von Rhus cotinus, dem Perückenstrauch stammt.
Der Baum ist in Süd- und Mittelamerika sowie in den wärmeren Gegenden Nordamerikas heimisch. Ebenfalls kommt er in Westindien und auf den Antillen vor. In Südeuropa ist das Klima zwar nicht tropisch, aber immer noch warm genug für den Färbermaulbeerbaum.

Der färbende Inhaltsstoff Morin ist ein Flavonoid und unterscheidet sich von dem im Querzitron enthaltenen Quercitrin nur durch die unterschiedliche Stellung einer einzigen Hydroxygruppe. Morin liegt zum Teil in freier Form, zum Teil als Calciumsalz im Holz vor, nicht jedoch als Glycosid. Calicogelb ist eine Bisulfitverbindung des Morins, welche durch Behandlung von Gelbholzextraten mit Natriumhydrogensulfit hergestellt werden kann. Ausser dem Morin ist ein Gerbstoff namens Maclurin enthalten. Da Gerbstoffe beim Färben den Farbton zu Braun hin verändern, werden sie meist mit Leimlösung aus Hausenblase oder Gelatine ausgefällt.

Gelbholzextrakt kann durch Abkochen des Holzes hergestellt werden. Er hat eine rötlich-gelbe Farbe und wird durch Verdünnen orange-gelb. Im Handel können drei unterchiedliche Formen der Extrakte vorkommen: flüssige Extrakte sind hellgelb bis rötlich- gelb. Feste Extrakte mit etwa 15 % Wassergehalt werden in Kuchen oder, mit geringerem Wassergehalt (ca. 5%) als Granulat gehandelt und sind von gelbbrauner bis oliver Farbe.

Färbungen mit Gelbholz werden gewöhnlich auf vorgebeizten Textilien, meistens Wolle, vorgenommen. Alaun führt zu goldgelben bis bräunlichen Farbtönen. Leuchtender werden die gelben Farben auf Zinnbeize. Essigsaures Bleioxid kann für orangegelbe Farbtöne verwendet werden. Mit Chrom- und Kupfersalzen behandelte Materialien werden olivfarben. Mit Eisen können dukle Olivtöne und auch schwarz erzielt werden. Obwohl die Farben nicht sonderlich lichtecht sind, war Gelbholz für die Herstellung khakifarbener Textilien früher unentbehrlich. Gegenüber Seife und Alkalien sind die Farbtöne jedoch sehr beständig.


Glimmer

engl.: mica

Glimmer sind Kalium-Aluminium-Silikate. Die Atome sind so angeordnet, dass ein zweidimensionales, kein dreidimensionales!, Kristallgitter entsteht, was die leichte Spaltbarkeit der Glimmer erklärt. Unvermahlener Glimmer besteht aus leicht biegsamen Plättchen.
Bei dem nassvermahlenen Glimmer handelt es sich um ein Gemisch aus 36% Aluminiumoxid (Tonerde) und 47% Siliciumdioxid (Kieselsäure). Die restlichen 17% setzen sich aus etwa 10% Kali und kleineren Mengen Eisenoxid, Fluor, Magnesiumoxid, Wasser und Natriumcarbonat zusammen.

Das sehr feine Pulver ist weiss und hat Teilchengrössen zwischen 15 und 40 µ.


Gofun Shirayuki

Das japanische Perlweiss wird in Japan aus Austernschalen hergestellt. Seit sehr langer Zeit spielt dieses Weiss in der japanischen Kunst eine besondere Rolle. Dir Austernschalen werden in der Bucht von Kyoto in grossen Haufen am Rande des Meeres augehäuft. Dir mehrere Meter hohen Häufen von Muschelschalen verrotten in dem feucht-warmen Klima rasch. Die Geruchsbelastung muss fr¨her manchmal sehr gross gewesen sein. Die organischen Bestandteile der Muschelschalen zersetzen sich im Laufe von 5-10 Jahren. Übrig bleiben feinste Schuppen von Perlmutt, welche in einem aufwendigen Verfahren gereinigt werden. Diese Perlmuttschuppen werden gemahlen und durch Nassklassierung in der Grösse sortiert und stellen das wichtigste Weiss in der japanischen Malerei und des Kunsthandwerks dar. Wir bieten das Gofun Shirayuki von dem letzten existierenden japanischen Hersteller an. Geeignet für alle Maltechniken.


Grauspießglanz

Antimonglanz, Antimonit, Stibnit

Chemische Zusammensetzung : Sb2S3
Die meist säulen- oder nadelförmigen Kristalle, haüfig büschelförmig gruppiert, sind stark grauschwarz glänzend. Grauspiessglanz wurde ähnlich wie Pyrit, Wismut und Bleiglanz für differenzierte Grautöne in der Baugestaltung oder in der Möbelbemalung eingesetzt. Grauspiessglanz ist auch das Pigment des echten ägyptischen Maskara und soll einen gewissen psychischen Einfluss auf die Stimmungslage ausgeübt haben. Hierbei ist die Giftigkeit des Antimon zu beachten!

Die grössten Antimon vorkommen in Europa sind in Rumänien.

Für die Anwendung besonders wichtig ist die grobe Mahlung, damit der nadelförmige Charakter des Pigmentes erhalten bleibt.


Grüne Erden

In handelsüblichen Sortimenten wird im allgemeinen unter Veroneser und böhmischer grüner Erde unterschieden. Bei der ersten Sorte handelt es sich um ein verhältnismässig kühles, blasses, graustichiges Grün. Böhmische grüne Erde ist mitunter bedeutend rotstichiger, in Richtung oliv verschoben, dafür jedoch farbintensiver. Deutsche Sorten sind ähnlich wie böhmische, jedoch weniger farbintensiv und graustichiger. In ausländischen Farbsortimenten wird gerne die Bezeichnung "terre verte" gewählt. Der Ton entspricht hier dem der in Deutschland üblichen Veroneser Sorte. Die Tatsache, dass sich im Laufe der Zeit für beide oben genannten Begriffe bestimmte Farbtonvorstellungen durchgesetzt haben, ändert jedoch nichts an dem Umstand, dass es auch davon stark abweichende Qualitäten gibt. So ist zum Beispiel eine echte böhmische grüne Erde als Pigment im Handel, welche die gleichen schönen kühlen Eigenschaften besitzt, wie klassische Veroneser grüne Erde.
Grüne Erden sind Naturpigmente, welche gegraben und dementsprechend aufbereitet werden, um als gebrauchsfertiges Pigment verarbeitet zu werden. Man kann sich diese als Tonerde (Aluminiumoxid und -hydroxid) vorstellen, welche mit zweiwertigem Eisensilikat aufgefärbt ist. Überwiegt der Tonerdegehalt, ist der Farbton schwächer. Verunreinigungen von Mangan-, Eisen-III- und anderen Verbindungen verschieben den Farbton ins Bräunliche. Aufgrund der stets unterschiedlichen Zusammensetzung variieren die Nuancen der Grünerden sehr stark und es ist für den Hersteller von fertiger Farbe sehr schwierig, stets die gleiche Nuance zu liefern. - Grüne Erde ist absolut ungiftig und völlig lichtecht.

Als Naturprodukt und besonders aufgrund des Silikatgehaltes sind grüne Erden verhältnismässig grob und haben eine sandige Konsistenz, was man sogar beim Durchspachteln von fertiger Tubenfarbe bemerkt. Die Tonerde ihrerseits bewirkt zusätzlich einen seifigen Charakter der Farbe, wie er auch Pigmenten eigen ist, welche Schwerspat enthalten. Theoretisch kann Grüne Erde in allen Techniken eingesetzt werden. Aufgrund des schwachen Farbtones sollte man sie allerdings vorzugsweise in Öl als Lasurfarbe verwenden, wo sie gerade wegen ihrer zurückhaltenden Farbigkeit geschätzt wird. Auch in Aquarell kann grüne Erde Verwendung finden. Normalerweise wird hier jedoch nicht in verschiedene Qualitäten unterschieden und man sollte hier die Farbtöne verschiedener Hersteller vergleichen. Möchte man sich Farbe aus grüner Erde selber herstellen, was durchaus sinnvoll sein kann, wenn man im Besitz einer besonders schönen Varietät ist, sollte man unbedingt im Mörser oder besser mit dem Glasläufer anreiben. Nur weniger Sorten sind so fein, dass ein Anspachteln genügt. Da Grünerde keine trocknungsbeschleunigende Wirkung hat, sollte Leinöl, ggf. mit Harzzusatz vorgezogen werden.

In der Fachliteratur wird grüne Erde gerne als entbehrlich abgestempelt. In der Tat, rein koloristisch liesse sie sich ohne weiteres ersetzen. Das was man jedoch gemeinhin als Nachteil betrachtet, kann häufig gerade interssant sein. Man denke nur einmal an zarte, verhaltene Lasuren, welche auf wärmere Untermalungen gesetzt, gerade einen ganz besonderen Reiz ausmachen. Die Zartheit dieser Grünnuancen erlauben kein drastisches Abgleiten in farbliche Extreme, wie es beispielsweise bei der Verwendung von Chromoxidhydratgrün sehr leicht der Fall sein kann. Aus diesem Grunde ist es unverständlich, dass Fachbuchautoren beispielsweise vorschlagen, Chromoxidhydratgrün zu wählen. Auch eine Mischung von Chromoxidgrün stumpf mit Weiss kann unmöglich angehen, da zum einen der Farbton nicht stimmt und zum anderen die besagte Mischung nicht wie Grüne Erde lasiert, sondern eine ausgesprochene Deckfarbe ist.

Den Wert der Grünerden hat man schon seit Jahrhunderten zu schätzen gewusst. In den Malschulen des Trecento hat man damit Fleischpartien im Tempera unterlegt, um einen kühlen Kontrast zu den warmen Fleischtönen zu erhalten. Gemeinhin bezeichnete man die Untermalungen in grüner Erde als "verdaccio". - Aus einem ähnlichen Grund empfahl Louis Corinth seinen Schülern, Schattentöne im Portrait mit Grüner Erde anzulegen. Darüber hinaus kann grüne Erde unschätzbare Vorteile als zarte Lasur in der Landschaftsmalerei bringen, die mit keinem anderen Pigment zu erzielen sind.

Es ist ein ernsthaftes Problem, dass schöne Sorten von grüner Erde immer seltener und immer schwieriger beschaffbar werden. Gab es gegen 1970 noch zahlreiche farbtonschöne reine Tubenfarben, vor allem von Veroneser grüner Erde, so werden diese heute mehr und mehr mit Chromoxidhydrat- oder Phthalocyaningrün geschönt, was eher unnatürlich wirkende Nuancen ergibt. Wer dennoch auf jene natürlichen Töne Wert legt, sollte sich ein möglichst schönes Pigment, was unter Umständen nicht billig ist, im Fachhandel aussuchen und sich seine Farbe selber anreiben.

Der zarte Orangebraunton schwankt je nach Herkunft zwischen einem hellen Schokoladenton und einem Rehbraun und ist angenehm wenig rotstichig, im Gegenstz zu den meisten anderen Brauntönen. Ferner ähnelt es tonlich manchen gebrannten Ockersorten, ist aber weniger gesättigt.

Nimmt man eine Messerspitze grüne Erde und glüht diese mit einer Lötlampe oder einem Bunsenbrenner, entweicht Wasser und es entsteht der orangefarbene Ton. Chemisch liegt hier Eisen-III-Silikat mit Tonerde vor. Wie der Ausgangston ist auch diese Naturerdfarbe absolut ungiftig.

Gebrannte grüne Erde ist in allen Techniken verwendbar und völlig beständig. Die Färbekraft liegt etwas über der, des ungebrannten Pigmentes, Lasurfähigkeit ist zwar gegeben, aber nicht so ausgeprägt, wie beim Ausgangsmaterial. Auch gebrannte grüne Erde hat ein ziemlich hartes Korn, was man beim Anreiben deutlich hören kann. Feinere Sorten können bei wässrigen Techniken in kleineren Mengen ggf. mit der Spachtel angemacht werden. Beim Herstellen von Ölfarbe sollte man jedoch zweckmässigerweise von vorne herein mit dem Glasläufer arbeiten. Es empfiehlt sich Lein- oder Walnussöl, unter Umständen mit Harzzusatz.

Gebrannte grüne Erde ist höchstwahrscheinlich schon seit der Antike bekannt und hat in den vergangenen Jahrhunderten eine nicht unwesentliche Rolle in der Malerei gespielt. Schade ist, dass der schöne zurückhaltende Ton in den letzten Jahren mehr und mehr aus den Farbsortimenten der Hersteller verschwindet. Gerade seine lasierenden Eigenschaften machen ihn besonders wertvoll gegenüber der überall erhältlichen, wesentlich rotstichigeren und intensiveren gebrannten Sienna. Aufgrund seiner lasierenden Wirkung lässt er sich praktisch nicht imitieren. Daher bleibt dem interessierten Anwender in Zukunft nichts anderen übrig, als sich seine Öl-, Tempera- oder gar Aquarellfarbe selbst anzureiben.


Grünspan synth.

Der Farbton kann zwischen einem dunklen Blaugrün und einem leuchtenden grünlauen Türkiston schwanken. Inzwischen ist dieses latmeisterliche Pigment wieder in einer sehr schönen blaustichigen Nuance, welche kaum imitiert werden kann, erhältlich.
Obwohl die Substanz nach Essig riecht und Lackmuspapier rot färbt, handelt es sich um ein basisches Kupferacetat mit einer ungefähren chemischen Formel Cu(OH) (CH3COO), d.h. die Anteile von Hydroxid (OH) und Acetat können schwanken.

Bei dem heute erhältlichen Pigment handelt es sich um eine schwer lösliche fein kritalline Substanz, welche vor dem Verarbeiten gründlich im Porzellanmörser feingemahlen werden sollte, was aufgrund der Weichheit der Kriställchen nicht schwierig ist. Beim Feinmahlen wandert der Farbton in Richtung Blau. Als organische Kupferverbindung ist Grünspan gesundheitsschädlich. Auch sollte darauf geachtet werden, dass möglichst keine Farbreste in den Abfall gelangen.

Über lange Jahre war Grünspan völlig unenbehrlich und es kann auch durchaus reizvoll sein, diese Farbe heute zu verwenden. Hierbei muss allerdings auf einige Tatsachen Rücksicht genommen werden. Zum einen darf Grünspan niemals mit Sulfidpigmenten wie Cadmiumgelb, Auripigment (Arsensulfid), Ultramarinblau oder Lithopone verarbeitet werden, da sich hier Schwärzungserscheinungen infolge von Kupfersulfidbildung bemerkbar machen. Auch mit Kremserweiss (Bleiweiss) sollte man Grünspan nicht vermischen. Da es sich um eine ausgesprochene Lasurfarbe handelt, sollte man sie auch nur für sich alleine auftragen. Als reine Ölfarbe ist Grünspan ebenfalls nicht zu empfehlen, da hier unter Bildung vo n Kupferoleat eine Vergrünung eintreten kann. Am besten verarbeitet man dieses Pigment in Mischtechniken zwischen isolierenden Harzfirnissen lediglich mit Kunstharzlösung und einem geringen Ölzusatz angerieben.

Will man ganz auf Nummer sicher gehen, sollte man trotz isolierender Firnissschichten auch bei der Untermalung auf Sulfidfarben verzichten. Gleichfalls wurden Veränderungen in ungefirnissten wässrigen Techniken beobachtet. Interessant ist allerdings die Verwendung mit neuzeitlichen Dispersionsbindemitteln. Hierbei sollte jedoch auf eine ausreichende Abbindung geachtet werden, um die Farbe vor atmosphärischen Einflüssen zu schützen.

Entgegen anderen Behauptungen in der Fachliteratur, lässt sich der äusserts schöne Türkiston mit seiner lasierender Eigenschaft nicht durch das dunklere, dagegen schwer anmutende gelbstichigere Chromoxidhydratgrün ersetzen. Tonlich ähnelt der heute erhältliche Grünspan dem Kobaltblau türkis hell welches jedoch eine ausgesprochene Deckfarbe darstellt.


Gummi Gutti

Gamboge

C.I. Natural Yellow 24
engl.: Indian gamboge, gambegia
franz.: gomme-goutte
Giftig!

Der Farbton von Gummi Gutti, auch Gamboge oder kurz "Gummigutt" genannt, entspricht einem leuchtenden Goldgelb, welches man durch Mischung von Indischgelb und Siena Natur erzielen kann.
Gummi Gutti ist das Harz vom Gambogebaum (Garcinia Morella) und einigen anderen Garcinien, die auf Ceylon, in Ostindien und im ostasiatischen Raum wachsen. Es wird, ähnlich wie Kautschuk, gewonnen, indem die Rinde des Baumes zunächst angeritzt wird, damit der Milchsaft herauslaufen kann. In Bambusröhren oder Kokosschalen gerinnt der Milchsaft dann zu einem Harz. Das reinste Gummi heisst Gummi electum und enthält nicht mehr als etwa 20% Sand und andere Stoffe. An frischen Bruchstellen sieht Gummi Gutti rotgelb bis hellbraunrot aus, wird nach einiger Zeit auf der Oberfläche lederbraun und schliesslich dunkelgrün.

Zu den Inhaltsstoffen des Gummis gehören folgende Säuren, welche den Flavonoiden zuzuordnen sind: alpha-Gambogasäure, Morellasäure und Isomorellasäure. Neben diesen Säuren enthält Gummi Gutti ausserdem einen geringen Prozentsatz an Pflanzengummi. Damit handelt es sich strenggenommen um ein Pigment und ein Bindemittel in einem. Man kann Gummi Gutti durch Erhitzen auf 100°C erweichen, ohne es zu schmelzen. In Wasser, Alkohol und Ether ist das Gummi gut löslich.

Gummi Gutti war bis ins letzte Jahrhundert eine beliebte Aquarellfarbe. Mit seiner goldgelben Lasurwirkung reichte es fast an echtes Indischgelb heran. Eine Mischung von Gummi Gutti mit natürlichem Indigo war in Aquarell gleichfalls beliebt unter dem Namen Hooker's Grün. Kauft man heute Hooker's Grün, eine angenehm warme Tönung, so handelt es sich um moderne, beständigere Austauschstoffe. Eine blaustichige Mischung mit Preussischblau findet man unter dem Namen Preussischgrün. Eine andere Verwendung fand Gummi Gutti in der Vergoldungstechnik auf Papier. Die zu vergoldenden Flächen wurden satt mit dieser Farbe aufgetragen. Nach dem Trocknen brachte man das Gummiharz durch Anhauchen erneut zum Anquellen, worauf man das Blattgold, welches nun Haftung erfuhr, anlegen konnte.

Die Herstellung von Aquarellfarbe aus Gummi Gutti ist auf folgende Weise möglich: Ähnlich wie bei der Bereitung von Gummi-Arabicum-Lösung versetzt man das Naturprodukt zunächst mit Wasser, um es einige Tage quellen zu lassen. Daraufhin gibt man die Farbmasse in einen Porzellanmörser und reibt mit dem Pistill so lange, bis die gewünschte Feinheit erreicht ist. Gegebenenfalls kann die flüssige Aquarellfarbe mit Gummi-Arabicum-Zusatz noch ein wenig nachgebunden werden. Für Acryltechniken ist Gummi Gutti ebenfalls gut geeignet, nicht jedoch für Ölfarben, da Gummi Gutti öllöslich ist. Die Lichtechtheit des Farbstoffes ist nicht sehr gut, kann aber durch ein Aufbewahren hinter Glas gesteigert werden. Zum Färben von Wolle sollte dem Färbebad etwas Ammoniak oder Soda zugegeben werden. Beizt man mit Alaun, so erhält man hellgelbe Farbtöne. Auch zum Holzfärben oder zur Herstellung von Tusche ist es geeignet.


Hansagelb

dient als Ersatz für Chromgelb und als preiswerter Ersatz für Cadmiumgelb.
Gute Lichtechtheit (7-8), extrem hohes Färbevermögen, deshalb meist mit Verschnittstoffen versetzt.
Die gute Lasierfähigkeit nimmt mit dem Anteil an Verschnittmitteln merklich ab.
Hansagelb gehört zur Gruppe der Monoazopigmente und ist ungiftig.


Heliogenblau, Phthalocyaninblau

Bei Heliogenblau handelt es sich normalerweise um einen farbmetrisch neutralen Blauton, der weder Rot- noch gelbstichig ist. Diese Nuance hat in der Drucktechnik und in der Farbfotografie unter der Bezeichnung "Cyan" Bedeutung. Die Weissausmischung von Heliogenblau kommt dem Manganblau ziemlich nahe. Neben dem neutralen Standardton sind mittlerweile auch rotstichigere Varianten im Handel. Die Reinheit des Farbtons kann durch Preussischblau nicht erreicht werden.
Bei der Gruppe der Heliogenblautöne handelt es sich um einen organische Farbstoff aus der Gruppe der Phthalocyanine. Diese leiten sich von der Phthalsäure ab. In der Mitte des Moleküls ist ein Kupferatom chemisch äusserst stabil eingebunden, ähnlich wie bei den natürlichen Farbstoffen Hämoglobin (eisenhaltig) und Chlorophyll (magnesiumhaltig). Ein dieses Zentralatom nicht enthaltendes Pigment erscheint türkis (Pigment Blue 16). Die Phthalocyaninfarben, welche heute im Handel sind, besitzen allerhöchste Lichtechtheit und sind wetterfest. Die Bedenken, die ansonsten für kupferhaltige Pigmente Gültigkeit haben, treffen hier nicht zu, da das Kupfer in einer Komplexbindung in das Farbstoffmolekül integriert ist. In sauren Medien, in Alkali und Kalk erreichen die Phthalocyaninfarbstoffe die besten Echtheitswerte (5). Leider ist die Lösungsmittelechtheit nicht immer gut und es muss damit gerechnet werden, dass Pigmentteilchen in Lösung gehen, d.h. die Farbe blutet oder ausblüht. Dies trifft jedoch nicht auf alle Phthalocyaninblau-Sorten zu. Es gibt auch lösungsmittelechte Pigmente dieses Typs, zum Beispiel Heliogenblau königsblau (15:3) oder Heliogenblau rotstichig (15:6). Heliogen- oder Phthaloblau zählt zu den färbekräftigsten Pigmenten überhaupt und hat naturgemäss lasierenden Charakter. Durch Zusätze an verschiedenen Weisspigmenten bekommt die Farbe eine deckende Wirkung. Die Farbe ist so intensiv, dass selbst bei Verdünnungen von 1:10 noch kräftige Blautöne erzielt werden.

Bei der Zubereitung von Wasserfarben ist ein vorheriges Benetzen mit Isopropylalkohol unbedingt erforderlich. Es bleibt dem Verwender überlassen, ob er von vorn herein die Farbe mit Schwerspat streckt (was die Lasurfähigkeit verringert, aber nicht aufhebt), oder ob er es vorzieht, mit dem reinen Farbton zu arbeiten, der anschliessend beliebig gemischt werden kann. Für Aquarellfarben sind die Phthalocyaninpigmente aufgrund ihrer hohen Lichtechtheit besonders beliebt. Bei der Bereitung von Temperafarbe sollte man zusätzlich ein paar Tropfen Ochsengalle zusetzen, um ein Auflösen der Emulsion zu verhindern. Dieses Phänomen tritt bei organischen Pigmenten häufig auf, da diese eine grössere Affinität zu öligen Komponenten haben als zu wässrigen. Auch bei der Herstellung von Ölfarbe ist ein Benetzen sinnvoll, Es erleichtert die Arbeit, wenn man das Pigment zunächst mit Alkohol anreibt und dann wartet, bis dieser verdunstet ist. Daraufhin kratzt man das Pigment mit einem Spachtel zusammen und arbeitet Öl ein. Anschliessend wird die Farbe gründlich mit dem Glasläufer durchgerieben. Ein blosses Anspachteln des Pigmentes mit Öl ist zwar möglich, es werden aber unter Umständen nicht so gute Resultate erzielt.

Die Phthalocyanine wurden bereits in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts entwickelt. 1929 meldete die Scottish Dyes (heute Teil der ICI) ein Patent auf Phthalocyaninblau an, es sollte aber noch einige Jahre dauern, bis zuverlässige Pigmente für den Künstler zur Verfügung standen. Nach dem Krieg konnte sich das moderne Pigment zunächst nur langsam auf dem Markt etablieren, weil man in der Fachbranche allem Neuen gegenüber mit teilweise ungesunder Skepsis begegnete. Heliogenblau hat den unbestreitbaren Vorzug, als sehr reiner Ton hervorragend zum Mischen anderer Blau-, Grün- und zahlreicher Violettöne geeignet zu sein. Die vergleichbaren Resultate mit dem immer noch häufig verwendeten Preussischblau sprechen eine Sprache für sich. So dauerte es Jahrzehnte, bis die Hersteller von Wasserfarbkästen, vor allem für den schulischen Bereich, sich endlich entschliessen konnten, das Preussischblau gegen das beständigere und farbtonschönere Phthalocyaninblau auszutauschen. Inzwischen ist dieses Blau kaum noch aus den Farbtonskalen wegzudenken.


Heliogengrün, Phthalocyaningrün

Den Farbton von Heliogengrün würde man simpel als dunkles Blaugrün bezeichnen. Er entspricht weitgehend dem des Chromoxidhydratgrün, ist jedoch noch etwas dunkler und reiner und gegebenenfalls blaustichiger im Ton. In Weissausmischungen wirkt Phthalocyaningrün brillianter als Chromoxidhydratgrün. Seit einiger Zeit ist auch eine etwas gelbstichigere, bromhaltige Variante mit der Nummer PG 36 im Handel.
Wie Heliogenblau gehört das entsprechende Grün in die Gruppe der Phthalocyaninfarbstoffe. Es handelt sich um eine von der Phthalsäure abgeleitete, ringförmige halogenierte organische Komplexverbindung, in welcher ein Kupferatom auf äusserst stabile Weise eingebunden ist. Heliogengrün PG 7 enthält zusätzlich Chlor im Molekül, PG 36 Chlor und Brom. Die Halogenierung bewirkt den grünen Farbton (Phthalocyninblau enthält keine Halogene). Ausserdem gilt die Regel: je mehr Brom, desto gelber das Pigment. Da das Zentralatom Kupfer fest in die Struktur eingebunden ist, gelten für diese Pigmente nicht die Vorbehalte, die ansonsten für kupferhaltige Pigmente gelten. Um herauszufinden, ob es sich tatsächlich um einen Phthalocyaninfarbstoff handelt, kann man sich einer simplen Methode bedienen. Dazu nimmt man eine Messerspitze des Pigmentes und gibt einen Tropfen Salzsäure hinzu. Diese Mischung führt man in die Flamme einer Lötlampe oder eines Bunsenbrenners. Enthält der Farbstoff Kupfer, färbt sich die Flamme binnem kurzem intensiv türkisblau.

Heliogengrün ist absolut lichtecht, lösungsmittelbeständig und wetterfest, hat stark lasierende Eigenschaften und ist für alle Techniken geeignet. In Säure, Kalk und Alkali besteht ebenfalls eine sehr gute Echtheit (5).

Heliogengrün ist unter verschiedenen Bezeichnungen als fertige Künstlerfarbe im Handel. Je höherwertiger das Produkt, umso mehr ist die Farbe frei von irgendwelchen Streckmitteln. Erwirbt man das Pigment von einem Künstlerfarbhersteller, so ist dieses in der Regel mit Schwerspat gestreckt. Zum einem geschieht dies sicherlich aus Kostengründen, zum anderen aber auch aus Gründen der leichteren Verarbeitbarkeit. Im freien Pigmenthandel hingegen kann man unverschnittene Sorten erwerben. Um diese zu verarbeiten, bedarf es besonderer Richtlinien. Es empfiehlt sich bei der Herstellung von Farben auf wässriger Basis in jedem Fall ein vorheriges Anteigen (Benetzen) mit Isopropylalkohol. Anschliessend kann das Bindemittel durch gründliches Spachteln eingearbeitet werden. Die Herstellung von Ölfarbe kann unter Umständen ohne vorheriges Benetzen erfolgen. Nach dem Durchspachteln muss in jedem Fall ein Durchreiben mit dem Glasläufer oder ein Zerreiben im Mörser erfolgen. Das Pigment ist sehr intensiv. Durch Zugabe kleinerer Mengen an Weiss wird einerseits die Deckfähigkeit gewährleistet, andererseits verändert sich der Farbton nur unmerklich.


Indigo

Indigo ist ein aus Pflanzen gewonnenes, organisches Pigment mit schwärzlichblauem, etwas dumpfem Farbton. Seit der Jahrhundertwende ist Indigo auch als synthetisches Pigment erhältlich. Der natürliche Indigo ist entweder in Stückchen erhältlich oder als ein staubiges Pulver, synthetische Indigo wird als Pulver gehandelt und ist körniger und viel glatter. Wird der Farbstoff mit Aluminium gefällt, so erhält man Lackfarbstoffe. Diese sind z.B. als Indigo blau hell oder Indigo rotviolett im Handel. Andere Namen für Indigo sind Stahlblau oder Waid.
Die Pflanzen, aus denen Indigo gewonnen werden kann, sind in vielen Teilen der Welt zu finden. Die namensgebende Pflanze, Indigofera tinctoria L.(früher Anil indigofera), stammt aus Indien. In China und im Kaukasus wurde der Färberknöterich, Polygonum tinctorium L., zur Indigoherstellung benutzt und in Europa wurde für den gleichen Zweck der Färberwaid, Isatis tinctoria L., abgebaut.

Vornehmlich in den Blättern der blühenden Pflanze wird zuckerhaltiges Indican oder Isatan B gebildet, aus welchen durch Fermentation Zucker und farbloses Indoxyl entsteht. Dieser Fermentationsprozess gehört zu den ältesten von Menschen genutzten Gärungsarten. Aus dem farblosen Indoxyl ensteht schliesslich durch Oxidation mit Luftsauerstoff Indigoblau. Aus 100 kg getrockneten Pflanzen können 1,5 bis 2 kg Indigo gewonnen werden.

Indigo ist sowhol in Wasser als auch in Alkohol unlöslich. Zum Färben von Textilien ist daher ein besonderer Ansatz notwendig: in alkalischer Lösung unter Zusatz von Reduktionsmitteln bildet sich zunächst farbloses Leukoindigo, welches sich an Textilfasern anlagern kann. Durch Trocknen an der Luft (Oxidation) ensteht dann auf der Faser blauer Indigofarbstoff. Dieser Vorgnang des Reduzierens mit anschliessender Oxidation nennt man Verküpen.
Aus der Indigo-Färberei stammt auch der Begriff "Blau Machen". Damit waren die Pausen der Färber gemeint, wenn sie die gefärbten Stoffe auf der Wiese ausgelegt hatten und darauf warteten, dass sich der blaue Farbstoff bildete.

Als Künstlerpigment wurde Indigo in römischen Malereien aus dem 1. Jh.n.Chr., in grühmittelalterichen Miniaturen, sowie in Gemälden aus allen Epochen der Eeuropäischen Staffelmalerei nachgewiesen. Die älteste Nachweise jedoch stammt aus Auasgrabungen und wurden auf 3000 v. Chr. datiert. Auch in Höhlen von Qumran wurden mit Indigo gefärbte Leinengewebe gefunden, diese wurden auf etwa 200 Jahre v.Chr. datiert.


Indischgelb imitiert

(Nickel-Azo-Komplex)

Der Farbton der unterschiedlichen Indischgelbtypen kann schwanken. Er bewegt sich jedoch im Dunkelgelb- bzw. im Goldgelbbereich. Einige Indischgelbtypen sind koloristisch mit den entsprechenden Cadmiumgelbtypen identisch.
Drei grundverschiedene Arten von Indischgelb sind mittlerweile bekannt.

1. Indischgelb echt. Dieses Pigment wurde aus dem Urin indischer Kühe gewonnen, die man zuvor mit Mangoblättern gefüttert hatte und welche anschliessend längere Zeit dürsten mussten. Aus Tierschutzgründen wurde die Herstellung von echtem Indischgelb schon sehr früh verboten. Dieses Pigment, dem sagenhafte Beständigkeitseigenschaften und nicht imitierbare Farbschönheit nachgesagt wurden, ist seit Beginn dieses Jahrhunderts aus dem Handel verschwunden. Chemisch stellt dieses Indischgelb einen natürlichen organischen Farbstoff dar, wobei es sich um das Magnesiumsalz der Euxanthinsäure handelt. Es ist bis zum heutigen Tage nicht gelungen, dieses Produkt in industriellen Mengen herzustellen. Die Produktion ist zu kostspielig. Unter Purree oder Piruri ist das aus dem Urin gewonnene Rohprodukt zu verstehen. Indischgelb ist in Wasser nur wenig, in Alkohol gar nicht löslich. In Säuren und Laugen löst es sich gut.

2. Indischgelb imitiert. Mit der Entwicklung der Farbstoffchemie kamen in der Folgezeit immer lichtechtere Pigmente aus der Familie der Azo-Farben (Azo von frz. "azote" = Stickstoff) mit annähernd oder gar vergleichbaren Lasur- und Beständigkeitseigenschaften auf den Markt. Diese ausgesprochenen Lasurpigmente werden heute von der Künstlerfarbindustrie zu Indischgelb-Ersatz verarbeitet. Auch erhältliche Pigmente unter der Bezeichnung Indischgelb gehören zur Azo-Gruppe. Die Künstlerfarbproduzenten versetzen diese jedoch leider, auch aus Gründen der leichteren Verarbeitbarkeit, mit Streckmitteln, Extender genannt. für die technischen Verarbeitungsrichtlinien dieser Indischgelb-Ersatztypen gilt dasselbe, was unter "Permanentgelb" aufgeführt ist.

3. Indischgelb imitiert (Nickel-Azo-Komplex), PG 10. Mit der Einbindung eines Nickelatoms in den Azo-Farbstoff gelang es der Industrie, einen äusserst lichtbeständigen Komplexfarbstoff zu erzeugen. Dieses Indischgelb besitzt eine sehr hohe Farbintensität und hat hervorragend lasierende Eigenschaften. Das Pigment ist extrem fein, hat damit einen sehr hohen Bindemittelbedarf und ist nicht ganz einfach anzureiben. In dickerem Auftrag erscheint der Farbton dunkel-goldgelb, fast bräunlich, je dünner die Lasur, desto mehr tendiert der Farbton in Richtung hellgelb. In Weissausmischung werden Nuancen erzielt, die mehr an die unterschiedlichen Neapelgelbtöne erinnern.

Das Pigment ist für alle Techniken geeignet, kommt aber am besten als reine Lasur zur Geltung. In sehr sauren oder basischen Systemen kann das Nickelatom herausgelöst werden, was zu einer Farbveränderung und einer verringerten Lichtechtheit führen kann. Bei wässrigen Medien ist es aufgrund des Metallgehaltes und des etwas höheren spezifischen Gewichtes etwas einfacher zu benetzen als andere Teerfarbstoffe. Die grosse Kornfeinheit jedoch erfordert ein sehr gründliches Einarbeiten. Nach dem Benetzen mit Isopropylalkohol muss hier sehr sorgfältig durchgespachtelt werden. Erst wenn das Pigment "aufgeschlossen" ist, sollte man Bindemittel zusetzen. Bei der Verarbeitung zu Dispersionsfarben (Acryl) kann es passieren, dass die Dispersion bereits als Netzmittel funktioniert. - Für kleine Mengen - und die reichen aufgrund der hohen Intensität normalerweise aus - genügt bei der Herstellung von Ölfarbe ein sehr gründliches Durchspachteln mit Lein- oder Walnussöl, wobei ein Zusatz von Dammarlösung 1:2 die Brillianz noch weiter erhöhen kann. Beste Resultate erzielt man jedoch, wenn man das Pigment zunächst mit dem Glasläufer mit Isopropylalkohol anreibt. Nachdem der Alkohol verdampft ist, nimmt man einen Spachtel und kratzt das Pigment zusammen. Erst dann gibt man Öl zu. Es ist erstaunlich zu beobachten, wie die Farbpaste immer fester wird, je länger man Öl einarbeitet. Es sollte solange tropfenweise Öl zugegeben werden, bis eine normale, glatte Tubenkonsistenz erreicht ist.

Es ist unklar, wie die bei Kittel erwähnte Entsprechung von Indischgelb und Aureolin (Kobaltgelb) zustande gekommen ist.


Jaspis, Grün

Der durch Eisen-(II) grüngefaärbte, amorphe Quarz mit sehr hoher Zähigkeit wird Grüner Jaspis genannt.
Grüner Jaspis ist immer dann zu vermuten, wenn grasgrün, brillant durchsichtige Partikel in alten Malschichten gefunden werden. Aus grünem Jaspis lassen sich wohl die schönsten grasgrünen Pigmente überhaupt herstellen.

Grüner Jaspis ist in kleinen Vorkommen überall verbreitet. Grüne Quarzvorkommen besonderer Reinheit werden heute auf Madagaskar und in Brasilien ausgebeutet.


Jaspis, Rot

Durch Eisen-(III) rotgefärbter amorpher Quarz. Die glasartige Durchsichtigkeit und hohe Brillianz lässt in historischen Farbschichten häufig auf roten Jaspis schliessen. Hin und wieder dürfte das Pigment in der Analyse mit Realgar verwechselt worden sein.
In kleinen Vorkommen ist roter Jaspis weit verbreitet. In den Alpen gibt es eine Abart, welche Radiolarit genannt wird. Je nach Härte des Minerals ist es wohl häufiger oder weniger häufig verwendet worden.


Karminrot

natürlicher organischer Farbstoff tierischer Herkunft (Cochenilleläuse), welcher meistens verlackt wird.
Leider nur gering lichtbeständig, es gibt beständigere Imitationen.


Kobaltblau

höchste Licht-, Wetter-, Alkali-, Säure- und Hitzebeständigkeit, wird auch in der Keramik verwendet.
Sehr hoher Bindemittelbedarf, deshalb Mohnöl.
Gute Lasierfähigkeit, eines der teuersten Pigmente.
Nicht giftig.

Chemisch: Kobaltaluminat (COO.A1203)


Kobaltgrün

Dieses Kobaltgrün hat überhaupt keine Gemeinsamkeiten mit dem in den bekannten Lehrbüchern beschriebenen Kobaltgrüntönen, bei denen es sich um eine Kobalt-Zink-Verbindung handelt. Auch werden die traditionelle Kobaltgrüntöne als "Rinmannsgrün" bezeichnet (siehe auch dort). Das neue Kobaltgrün ist wesentlich gelbstichiger als das Rinmannsgrün und würde trivial als "Grasgrün" oder "Blattgrün" bezeichnet werden. Die Tatsache, dass diese Grün etwas gebrochen ist und nicht ganz über die Leuchtkraft von organischen Pigmentmischungen oder Mischungen von Kobaltblau türkis hell mit Gelb verfügt, macht es keineswegs uninteressanter. Auf der anderen Seite ist es wesentlich leuchtender, aber auch etwas blaustichiger, als das sehr verbreitete Chromoxidgrün.
Chemisch handelt es sich um ein kompliziertes Mischoxid mit Spinellstruktur. Es enthält die Oxide der Metalle Kobalt, Aluminium, Titan, Nickel und Zink. Diese werden in einem ganz bestimmten Mischungsverhältnis zusammen gebrannt.

Kobaltgrün ist ein feines, lockeres Pulver von höchster Beständigkeit. Ökologisch ist es unbedenklich. In seiner Konsistenz ähnelt es dem Chromoxidgrün, ist jedoch etwas härter, was sich bezüglich seiner leichten Verarbeitbarkeit praktisch nicht auswirkt. Auch Kobaltgrün ist universell einsetzbar. Im Vergleich zum Rinmannsgrün kann man es als eine ausgesprochene Deckfarbe bezeichnen. Trotzdem sind in dünnen Schichten Lasurwirkungen möglich.

Für den Künstler ist dieses neue Kobaltgrün von grosser Bedeutung. Umso kurioser erscheint es, dass es nicht in den Künstlerfarbsortimenten ent- halten ist. Möglicherweise wird es noch eine Weile dauern, bis die Farbenhersteller diesen universellen Ton aufgenommen haben. Mit Ausnahme des stumpfen Chromoxidgrünes sind reine grüne Künstlerfarbpigmente in der Regel blaustichig. Besonders für den Landschaftsmaler sind aber gerade gelbstichige Grüntöne wichtig, die er sich sonst ermischen muss. Giftige Mischgrüne wie Chromgrün, Zinkgrün oder Zinnobergrün sind kaum noch erhältlich und auch nicht ganz unbedenklich. Unter Verwendung von Gelb, Ocker oder zahlreichen anderen Erdfarbnuancen lassen sich wertvolle, natürlich wirkende Mischtöne erzielen.

Die Eigenherstellung von Kobaltgrünfarbe ist völlig unproblematisch. In wässrigen Techniken reicht ein Anspachteln. Bei der Herstellung von Öl- farbe sollte mit dem Glasläufer angerieben werden, wenn in Tuben angefüllt werden soll.


Kobaltgrün, blaustichig

Rinmannsgrün

Hierbei handelt es sich um ein sehr kaltes und helles Grün. In einigen Künstlerfarbsortimenten ist dieses Kobaltgrün in einer helleren kühleren und einer dunkleren, etwas wärmeren Nuance erhältnlich. Der Farbton lässt sich verhältnismässig leicht aus Chromxoidhydratgrün mit Weiss und einer Spur Schwarz nachmischen.
Chemisch wurde es früher als Kobaltzinkat aufgefasst. Heute neigt man dazu, dieses Grün als Kobalt-Zink-Mischoxid zu betrachten. Die ungiftige Farbe zählt zu den am längsten bekannten Mischoxidpigmenten. Sie ist völlig lichtecht und in allen Techniken ausser in Kalk, Zement und Silikat zu verwenden.

Es handelt sich um ein fast sandig anmutendes Pulver von sehr hoher spezifischer Dichte. Seine Färbekraft ist gering, wenngleich sich mit Gelb und auch Blau sehr schöne Mischtöne ergeben, setzt man es vorzugsweise für sich alleine verwendet ein. In reinem Zustand ist es ein leidlich deckendes Pigment. In Aquarell oder auch mit Harzfirniss verdünnt, hat es eine halb lasierende Wirkung mit einer auf das relativ grobe Korn zurückzuführenden Stofflichkeit. Gerade aus diesem Grund, sowie wegen der geringen Färbekraft ist diese Farbe für solche Zwecke interessant. In der Konsistenz mancher Sorten von Grüner Erde nicht unähnlich, lässt sie sich hervorragend mit dieser vermischen und in Lasuren einsetzen. Auch mit Siena Natur lassen sich sehr schöne, zurückhaltende Nuancen ermischen. Erwähnenswert ist auch der Umstand, dass man der hellen Variante des Rinmannsgrüns (von der das Pigment erhältlich ist), oder mit den oben angeführten Erdfarbenmischungen auf dunklen Untergründen heller lasieren kann, was eine zarte Schleierwirkung zur Folge hat.

In wässrigen Techniken genügt ein einfaches Durchspachteln des Pigments mit dem Bindemittel. In Öl muss jedoch im Porzellanmörser, oder besser, mit dem Glasläufer angerieben werden. Hierbei muss man darauf achten, dass die Farbe die genau erforderliche Menge an Öl enthält. Bei einer geringen Menge zuviel neigt sie zum Verlaufen, bei zu wenig Öl wirkt sie trocken, fast bröckelig und stumpf. Am sichersten ist es, zunächst wenig Öl mit der Spachtel einzuarbeiten und dann anzureiben. Ist die Farbe noch zu fest, sollte man Öl möglichst nur tropfenweise zusetzen, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Soll in Tuben abgefüllt werden, ist auch hier ein Zusatz an Bienenwachspaste sinnvoll.

Kobaltgrün wurde erstmalig im Jahre 1780 von dem Schweden Rinmann hergestellt und gegen Mitte des 19. Jahrhunderts verbessert. Seit dem ersten Weltkrieg ist Rinmannsgrün kaum noch im Gebrauch, wenngleich einige Firmen es noch in ihren Sortimenten führen. Die kaum bekannte Farbe ist für alle interessant, die zarte, verhaltene Farbwirkungen schätzen.


Krapplack aus Wurzeln

engl.: madder lake
franz.: laque de garance
andere Namen: Alizarinrot, Colorin, Rubian, Purpurin, Van Dyckrot,
Rubenskrapp, Rembrandtkrapp, Bettkoberlack, Steinerlack

Krapplack wird aus der Wurzel der Färberröte Rubia tinctoria gewonnen. Nachdem die Wurzel getrocknet und gemahlen wurde, wird das Pulver zunächst mit Wasserdampf und Säuren behandelt, danach werden mit aluminium- und/oder zinnhaltigen Salzen die färbenden Stoffe ausgefällt. Die so hergestellten Farbstoffe besitzen, je nachdem, welche färbenden Bestandteile isoliert wurden, Töne von Orange über Rosa zu Dunkelrot. Die zur Extraktion verwendete Salzlösung sollte kochend verwendet werden, jedoch dürfen die Wurzel oder das Krappulver nicht gekocht werden, da sonst der Lack seinen Glanz verliert und nicht mehr feurig ist oder sogar braun wird. Extrahiert man Krappulver zunächst mit verdünnter, dann mit konzentrierter Schwefelsäure, so erhält man Garancine, welches als Ausgangsstoff für Krapplacke verwendet werden kann. Ein anderes Extraktionsverfahren, welches ebenfalls mit Schwefelsäure durchgeführt wird, und von einer Wärmebehandlung des Auszugs gefolgt wird, ergibt das sogenannte "Kopp's Purpurin". Kopp's Purpurin enthält hauptsächlich Purpurin und Pseudopurpurin und liefert bei Fällung mit Alaun einen schönen roten Lack.
Die wohl berühmtesten Krapplack-Färbeverfahren sind die Türkischrotfärberei und die Adrianopelrotfärberei. Das türkische Verfahren wurde lange Zeit geheimgehalten und erst Mitte des 18. Jahrhunderts wurde in Frankreich ein eigenes Verfahren zum Färben eines leuchtenden Rots entwickelt.

Es können sowohl Baumwollstoffe als auch Wolle und Seide eingefärbt werden. Je nach der für die Beize verwendeten Ionenart erhält man unterschiedliche Farbtöne: Aluminiumsalze, z.B. Alaun, führen auf Baumwolle zu Rot, Zinnsalze ergeben rotviolette Töne, mit Eisenbeize erhält man violette oder braunviolette Farbtöne. Chromsalze führen ebenfalls zu braunvioletten Tönen. Wolle und Seide werden ebenfalls mit Alaun rotgefärbt, mit Zinnsalzen orange. Verdünnt man das Färbebad, so können auch schöne Rosatöne erzielt werden. Eisen und Chrom führen zu dunklen roten, braunroten oder sogar schwarzen Farbtönen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen pflanzlichen Farbstoffen wurde Krapplack nicht nur von Färbern, sondern auch von Kunstmalern sehr geschätzt, weil die Lichtechtheit sehr gut ist. Krapplack kann in Öl- und Leimfarben verwendet werden. Er ist sowohl in Alkalien als auch in Säuren löslich. Auch zur Herstellung von Tinte kann Krapplack verwendet werden.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der echte Krapplack relativ schnell vom Markt verdrängt, da ein Verfahren zur synthetischen Herstellung von Alizarin gefunden worden war.


Kunststein-Grafik

Eine Hochdruck-Technik, die 2008 von Knut Kargel erfunden wurde.
Die Druckplatten bestehen aus Beton.
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Kupferresinat

Chemische Zusammensetzung: Das Produkt der Verkochung von Kupfersalzen in Harz
Als grüne Lasurfarbe seit der Renaissance sehr beliebt. Leider ist die Haltbarkeit des Kupferresinats eingeschränkt. Häufig verbräunen die Lasuren schon in den ersten 100 oder 200 Jahren.

Die dickflüssig bis feste grüne Harzpaste wird mit Balsamterpentinöl verdünnt aufgetragen.


Lac dye, Laccainsäure

engl.: gum lac

Lac dye ist ein gelbstichiges rotes Pulver. In Wasser aufgelöst zeigt der Farbstoff ein blaustichiges dunkles Rot, wobei sich allerdings nur geringe Mengen lösen lassen. Der Farbstoff ist in die Gruppe der tierischen Farbstoffe einzuordnen, er wird aus Schildläusen (Kerria lacca) gewonnen, welche auf indischen Feigenbäumen leben. Die Läuse ernähren sich vom zuckrigen Saft der Bäume und sondern ein Gummiharz ab, welches den Farbstoff Lac Dye enthält. Die Harzproduktion ist so stark, dass die Läuse vollständig in der Harzschicht eingeschlossen werden und sterben.
Die mit Harz überzogenen Äste werden geerntet und der Farbstoff aus dem Harz extrahiert. Dies geschieht, indem das zu Pulver gemahlene Harz in Wasser eingerührt wird. Der wasserlösliche Farbstoff kann dann mit Alaun ausgefällt werden. Das von den Ästen entfernte Harz heisst auch Stocklack und wird für die Herstellung von Schellack verwendet. Wurde der Farbstoff nicht extrahiert, so heisst der Schellack Rubin- oder Granatschellack oder auch Blätterschellack Orange nach seiner Handelsform in dünnen, blättrigen Stücken.

Chemisch gesehen ist Lac dye ein Gemisch der verschiedenen Laccainsäuren A, B, C, D und E, wobei Laccainsäure A den Hauptanteil ausmacht. Die Laccainsäuren sind Anthrachinone und sind mit den aus Cochenilleläusen gewonnenen Farbstoffen verwandt oder identisch. (Laccainsäure D wird auch als Flavokermessäure bezeichnet.)

Lac dye ist in Ethyl- und Methylalkohol löslich, ebenso in Aceton und Essigsäure. In Wasser ist der Farbstoff etwas schwerer löslich, in Ether fast gar nicht. Lac dye ist sehr hitzebeständig, er schmilzt bei 180°C und zerfällt bei etwa 230°C. Die gute Lichtechtheit und Waschbeständigkeit wurde früher sehr geschätzt. Mittlerweile sind jedoch sehr viel beständigere, synthetische Farbstoffe entwickelt worden. Laccainsäure ist unbeständig gegen Metallionen, besonders Eisenionen. Es wird empfohlen, chelierende Mittel während des Färbevorganges einzusetzen.

Ausser in Indien und im fernöstlichen Raum wurde Lac dye auch in Afrika zum Färben von Baumwollstoffen verwendet. In China hat man auch Seidenstoffe gefunden, welche mit Lac dye eingefärbt worden waren. Es können karmesinrote, scharlachrote und orangefarbene Töne erzielt werden.


Lampenschwarz, Ruß

künstliches Pigment organischer Herkunft, gewonnen durch unvollständige Verbrennung flüchtiger Kohlenstoffverbindungen.
Das schwärzeste Schwarz, im Vergleich hierzu erscheinen alle anderen Schwarzpigmente Grau.
Absolut lichtecht, sehr schlecht benetzbar, sehr hoher Bindemittelbedarf, außergewöhnlich hohe Färbekraft, ausgezeichnetes Deckvermögen, schlecht trocknend.
Nicht giftig.
Chemisch: reiner Kohlenstoff (C)


Lapis Lazuli

Chemische Zusammensetzung: komplexes schwefelhaltiges Aluminiumsilikat, gerne mit Einschlüssen von Pyrit und Kalkstein
Gehört zu den ältesten Schmuck- und Pigmentrohsteinen überhaupt. Lapis Lazuli wurde schon in prähistorischer Zeit in Europa als Schmuckstein und Farbstein verwendet. Im alten Ägypten ist Lapis Lazuli häufig vorkommend. Im Mittelaletr wurde Lapis Lazuli wegen des besonders hohen Preises nur für die aller hochwertigsten Bilder benutzt. Besonders berühmt wurde die Anwendung von Lapis Lazuli für das Blau der Marienmäntel in der romanischen und gotischen Kunst.

Das tief dunkelblaue, zäh-weiche Mineral kommt von einer einzigen Fundstelle im Norden Afghanistans. Weitere Fundstellen in Chile und China sind von minderwertiger Qualität.

Die Lichtechtheit des Pigments ist hervorragend. Historisch Anwendung gibt es in Leim auf Kalkschichten sowie in Eitempera. Saure Medien zerstören das Pigment.

Wegen des hohen Preises des Rohsteins wird das Pigment in einer Vielzahl von Farbvariationen hergestellt. Die teuerste und reinste Nuance wird durch einen komplizierten Knetprozess aus dem Rohstein gewonnen. Die minderwertigen Reste werden als Ultramarinasche bezeichnet.


Malachit

Chemische Zusammensetzung: CuCO3.Cu(OH)2, basisches Kupfercarbonat
Malachit ist ein Halbedelstein, der zu künstlerischen Zwecken zermahlen und pulverisiert wird. Je nach Kornfeinheit und Ausmahlungsgrad kann der Farbton ziemlich schwanken. Je gröber die Körnung, umso feuriger die Nuance. Somit liegt der Farbton etwa zwischen dem eines leicht graustichigen Chromoxidgrün feurig und einer farbintensiven kalten Veroneser grünen Erde. Koloristisch besteht auch eine gewisse Ähnlichkeit zum bekannten Kobaltgrün Rinmannsgrün, jedoch etwas wärmer.

Dieses Mineral, welches ein Verwitterungsprodukt des blauen Azurit darstellt, war vor einigen Jahrhunderten in Europa relativ weit verbreitet. Bekannte Fundorte gibt es auf der Sinaihalbinsel und im östlichen Ägypten. Heute kommt das meiste Malachit entweder aus dem Ural oder aus der Provinz Katanga im ehemals belgischen Kongo. Bereits in der Antike war dieses Kupfermineral als kaltes Grün für Wandmalereien geschätzt. In der Renaissance wurde es auch in der Tafelmalerei eingesetzt, immerhin war der Umfang an haltbaren und brauchbaren Farbtönen damals sehr begrenzt.

Als basisches Kupferkarbonat gilt Malachit seit jeher als besonders kalkecht, was es besonders begehrt in der Wandmalerei gemacht hat, dem verhältnismässig hohen Preis zum Trotz. Interessant ist ein Einsatz von Malachit in gefirnisster Temperatechnik. Der Maler hat hier die Wahl, ob er eine besonders stoffliche, etwas gröbere Wirkung bevorzugt oder ob er die Farbe vor dem Vermalen in einem Porzellanmöser feinreibt, was entgegen der Äusserung Wehltes problemlos möglich ist. Mit zunehmender Kornfeinheit tendiert der Farbton allerdings etwas mehr ins Warme und wird ein wenig stumpfer, was nicht unbedingt von Nachteil zu sein braucht. Dabei nimmt die anfangs noch zu beobachtende schwache Lasurwirkung zugunsten einer halbdeckenden Wirkung ab. Ein Maximum an erzielbarer Farbtontiefe erreicht man durch eine Firnissschicht, am besten Kunstharz. Durch Unterlegung eines hellen Blautones wirkt der Malachitauftrag feuriger!

Theoretisch könnte man Malachit, vorausgesetzt er wird zuvor im Mörser gepulvert, auch als schwach lasierende Aquarell- oder halbdeckende Gouachefarbe anreiben; die erzielten Farbnuancen sind jedoch verhältnismässig blass, wenn man mit modernen Farbstoffen vergleicht. – Auch wenn es kurios scheint: Malachit lässt sich ausgezeichnet mit einem Dispersionsbinder, wie Caparol, zu einer haltbaren Farbe verarbeiten! – Überhaupt ist die Lichtechtheit hier durchaus gegeben. Die Probleme der meisten Kupferpigmente liegen vielmehr in ihrer chemischen Unverträglichkeit mit Sulfidpigmenten, wie Cadmiumgelb, sowie möglichen Reaktionen mit fetten Ölen und der angeblichen Tatsache, das Malachit in Öl kolloidal löslich sein soll. – Zunächst zum Cadmiumgelb! Ausmischungen mit dieser Farbe in Öl brachten nicht die gefürchtete Schwärzung hervor. Dasselbe traf auch wässrige Farbsysteme zu! – Wer jedoch auf Nummer sicher gehen möchte, dem empfehle ich einen kleinen Test vorab oder aber ein anderes Gelb zu nehmen.

Fein ausgemahlenen Malachit in Harzöl- oder reiner Harzfarbe kann man nach meinen Beobachtungen ohne weiteres als dünne Abschlusslasur in Mischtechniken einsetzen. Ein eventuell mögliches Vergrünen durch das verwendete Öl dürfte in der Praxis kaum von Bedeutung sein!

Immerhin ist interessant, welche vielfältigen Möglichkeiten sich hier dem experimentierfreudigen Maler mit einem antiken Farbmittel bieten, ganz zu schweigen von den denkbaren Kombinationen mit modernen Werkstoffen, wie Kunstharzen und Dispersionen.

Ein entscheidender Nachteil dieses Werkstoffes liegt allerdings in seinem verhältnismässig hohen Preis. Hier ist als Ersatz ein synthetisch hergestelltes Malachitpigment mit gleicher oder jedensfalls ählicher chemischer Zusammensetzung im Handel. Das blasse kalt-graugrüne Pulver entspricht in seiner Beschaffenheit nachträglich im Mörser gepulvertem Naturmalachit. Der Farbton ist jedoch weniger leuchtend und ähnelt fast einer Grünerde. Ansonsten ist das Pigment genauso wie der Naturstoff verwendbar.

Neben grünen Erden war Malachit das wichtigste grüne Pigment vergangener Zeiten bis zum 18. Jahrhundert. Sowohl in Rom als auch im alten Ägypten fand sich Malachit in Wand- und Tafelmalerei. Von Plinius wurde dieses grüne Pigment als "Chrysocolla" bezeichnet.

Malachit tritt meist mit anderen Kupfermineralien (Azurit, Cuprit, etc.) vergesellschaftet auf. Malachit hat eine typische, an Achat erinnernde, knollige Schichtenstruktur. Für Verarbeitung und Haltbarkeit gilt das gleiche wie bei Azurit, auch Malachit sollte nur als frisch angemachte Farbe in Kalk verwendet werden. Bei Wandmalereien kann sich Paratakamit (CuCl2.3Cu(OH)2) aus Malachit bilden, wenn in der Wand Chloride enthalten sind.

Anmerkung: Malachit sollte auf keinen Fall mit Malachitgrün verwechselt werden! Hierbei handelt es sich um einen dunkel-blaugrünen tintigen wasserlöslichen Teefarbstoff oder aber um eine blosse Farbtonbezeichnung, die überhaupt nichts mit Malachit zu tun hat.


Manganblau

sehr gut lichtbeständig, als Manganverbindung in Ölen sehr rasch trocknend, deshalb mit Mohnöl anreiben.
Chemisch: Banumsulfat-Manganat (BaMnO (BaSO)
Giftig (Gruppe 3)


Manganschwarz

Manganschwarz
eigentlich ein sehr dunkles Grau, empfiehlt sich wegen seiner katalytischen Trockenwirkung als Zusatz zu anderen Schwarzpigmenten.
Hervorragende Beständigkeit in jeder Hinsicht, nicht giftig.

Chemisch: Mangandioxyd (MnO2)


Marienglas

Chemische Zusammensetzung: CaSO4, von besonders hoher Reinheit
Der Name Marienglas enstand aus der Verwendung der glasscheibenartigen, dünnen und spaltbaren Gipsplatten als Glasscheibenersatz für Reliquienbehälter. Die glimmerartigen, kleinen Bruchstücke verleihen Wandfarben einen besonders hohen Reflektionswert. Durch die besondere Reinheit des Marienglases ist es sogar möglich, Marienglaspulver in Kalkfarben im Aussenbereich anzuwenden, ohne das der Gips ausblüht.

In jeder Gipsgrube gibt es Randbereiche mit Marienglas. Heute wird der meiste Gips maschinell abgebaut, so dass nur noch in wenigen Gipsbrüchen die Möglichkeit besteht, Marienglas zu erhalten. Unser Marienglas kommt aus den grössten Gipsbrüchen Europas auf Zypern.


Natürliche rote Erden

(siehe Ocker) werden zunehmend von künstlichen Eisenoxydpigmenten verdrängt.


Nelkenfarbe

Chemische Zusammensetzung : Chrom-dotiertes Aluminiumstannat
Der Farbton entspricht dem rosenroten Ton eines hellen Krapplacks. Nelkenfarbe war ursprünglich ein Keramikfestkörper. Aber auch für die Porzellanmalerei und als Druckfarbe wurde dieses Pigment verwendet. In der Aquarellmalerei Englands im 18. und 19. Jahrhundert war es das einzige lichtechte Rosa.

Es wird in einer komplexen Hochtemperatur-Festkörperreaktion aus Zinnoxid, Aluminiumoxid und Chromoxid in Gegenwart von Kreide oder Marmormehl hergestellt. Nach der Reaktion muss der Überschuss an Chromsalzen sorgfältig ausgewaschen werden. Durch Mengenverhältnisänderungen von Zinnoxid zu Chromoxid erhält man geringe Nuancen in der Färbung. Es ist in jeder Art von Malmittel absolut beständig.


Nickeltitangelb

sogar noch in starken Weißausmischungen sehr lichtecht.
Halbopak, Lasierfähigkeit mäßig,
nicht giftig.

Chemisch: Mischphasenpigment auf Metalloxydbasis (Ti, Ni, Sb)O2 in Rutilstruktur


Ocker, Terra di Siena

Als natürliche Erdpigmente sind diese Pigmente, die in einer Vielzahl von Farbtönen vorkommen, absolut lichtecht und wetterfest.
Durch Brennen entstehen die gebrannten roten Ocker und gebrannte rote Siena.
Relativ hoher Bindemittelbedarf.
Die Färbenden Substanzen sind Eisenoxydhydrate, Siena enthält zusätzlich Kieselsäure.
Ungiftig.


Oxydgelb

Seitdem es gelungen ist, den Farbton des besten französischen Goldockers mühelos auf künstlichem Wege, also ohne die bei Naturprodukten üblichen Qualitätsschwankungen, herzustellen, setzen sich die Eisenoxydfarben immer mehr durch.
Im Färbevermögen und in der Lasierfähigkeit dem Ocker überlegen, von gleich hoher Lichtechtheit.
Hoher Bindemittelbedarf.
Ungiftig

Chemisch: reines Eisenoxydhydrat (Fe2O~ 1H20)


Oxydrot

hervorragend licht- und wetterecht kalk-, säure- und zementbeständig.
Gute Deckfähigkeit, jedoch ausgesprochen schlechte Lasierfähigkeit.
Heute gibt es jedoch spezielle mikronisierte Marken, die brillante, transparente Lasuren erlauben.
Nicht giftig.

Chemisch: dreiwertiges Eisenoxyd (Fe2O3)


Oxydschwarz

vollkommen licht- und alkalibeständig, ausgesprochen Wetterfest, große Deckkraft, großes Färbevermögen, nicht lasierend, nicht giftig.
Chemisch: Eisenoxydoxydul (FeO~Fe2O3) (Magnetit)


Permanentgrün

Als Pigment sieht Permanentgrün heller aus als Chromoxidhydratgrün oder gar Heliogengrün. Als bindemittelreiche, fertige Farbe jedoch ist der Ton kaum von den beiden bläulichgrünen Pigmenten zu unterscheiden.
Streng genommen ist Permanentgrün als Mischpigment aufzufassen. In der Vergangenheit verstand man unter Permanentgrün dunkel eine Nassverkollerung von Chromoxidhydratgrün (Giugnetgrün) und Schwerspat. Das schwer zu verarbeitende und nicht ganz billige Chromoxidhydratgrün wird somit durch den farblich nicht in Erscheinung tretenden Schwerspat auf sinnvolle Weise gestreckt, was das Anreiben vereinfacht. In letzter Zeit ist eine weitere, gleichfalls zuverlässige Variante von Permanentgrün im Handel. Statt das Chromoxidhydratgrüns wird hier der Phthalocyaninfarbstoff Heliogengrün verwendet. Im Reinzustand ist dieses dermassen ergiebig, dass eine Streckung mit Schwerspat oder anderen geeigneten Pigmenten durchaus vertretbar ist. Beide Sorten Permanentgrün dunkel sind völlig unbedenklich zu verwenden und absolut ungiftig.

Vor allem in wässrigen Techniken ist Permanentgrün nicht ganz so lasierend wie die blaugrünen Grundkomponenten. Mit steigendem Bindemittelgehalt erhöht sich allerdings die Lasurfähigkeit, da Schwerspat an sich über kein nennenswertes Färbevermögen verfügt. In Öl ist praktisch tonlich kein Unterschied zu den Grundtönen festzustellen, abgesehen von der Tatsache, dass das Färbevermögen etwas reduziert ist, je nach dem Grad des Streckmittelzusatzes. Ältere Sorten von Chromoxidhydratgrün waren in Öl sehr schwer anzureiben. Durch die weiche Beschaffenheit des Schwerspats wird dieses Manko weitgehend behoben. Wenn bei älteren Sorten von Chromoxidhydratgrün das harte Korn stört, dann ist es bei Heliogengrün die Tatsache der relativ schweren Benetzbarkeit, vor allem bei wässrigen Medien. Auch in dieser Hinsicht ist ein Streckmittel wie Schwerspat positiv zu bewerten.

Alle Sorten von Permanentgrün bzw. von Permanentgrün dunkel (beide Bezeichnungen meinen dasselbe Pigment) sind universell für alle Techniken geeignet. Obwohl in der Regel ein Anspachteln genügt, sollte man in Öl mit dem Glasläufer anreiben. Der Bindemittelanteil sollte jedoch nicht so hoch, bzw. die Farbe nicht zu flüssig sein, da sie sich ansonsten aufgrund des Gehaltes an Schwerspat leicht absetzen kann. Als Öl sollte man Mohnöl oder eine Mischung von Mohn- oder Sonnenblumenöl mit Walnussöl vorziehen. Ein nicht zu hoher Harzzusatz erhöht die Brillianz.

Da das Pigment nicht ganz so intensiv ist wie Chromoxidhydrat- oder Heliogengrün, stellt es eine interessante Mischkomponente mit anderen nicht so intensiven Farbtönen, vor allem Erdfarben, dar. In Mischtechniken lässt es sich sehr sinnvoll als Untergrundfarbe in Tempera einsetzen und als Lasur in Harzölfarbe. Der reine kalte Farbton, der beim Permanentgrün auf Basis von Heliogengrün noch besser zur Geltung kommt als bei den älteren Sorten, ist ausserdem bestens als Basiston für wichtige Mischungen mit Gelb- oder Blautönen geeignet.

Unter Permantengrün hell verstand man früher eine Mischfarbe aus Permanentgrün dunkel und Zinkgelb. Die vergrünenden Eigenschaften in Öl spielten in diesem Fall praktisch keine Rolle. Permanentgrün hell war auch unter der Bezeichnung Viktoriagrün im Handel. Heute verwendet man für Permanentgrün hell neben einem Streckmittel Heliogengrün und einen gelben organischen Farbstoff. Wenngleich solche fertigen Tubentöne durchaus technologisch akzeptabel sind, sind derartige Mischungen an und für sich von zweitragiger Bedeutung, da man sie sich ohne Probleme in der gewünschten Nuancierung selber mischen kann.


Phthalocyaninblau, Heliogenblau

hervorragende Licht-, Säure- und Alkalibeständigkeit, sehr gutes Färbevermögen, schlechte Deckkraft, gute Lasierfähigkeit.
Nicht giftig.

Chemisch: Phthalocyaninpigment mit Kupfer als Zentralatom


Phthalocyaningrün, Heliogengrün

hervorragend licht-, wetter- und alkalibeständig, außergewöhnliches Färbevermögen, deshalb Verschnitte oft technisch notwendig.
Hervorragende Lasierfähigkeit.
Seine blaugrünen Sorten kommen dem maltechnisch gefährlichen Grünspan am nächsten.
Nicht giftig.

Chemisch: Halogeniertes (Chlor oder Brom) Kupferphthalocyanin


Ploss Blau

Kupfer-Calcium-Acetat

Bei der Herstellung von Wein entsteht beim Stehenlassen des Tresters unter Umständen Essig. Dieser Essig reagiert mit kupferhaltigen Materialien. Wenn man jetzt die essigsaure Kupferlösung mit Sumpfkalk neutralisiert, findet man himmelblaue Kristalle von besonders brillanter Leuchtkraft.
Das lässt sich auch gezielt als Kupfer-Calcium-Acetat herstellen. Das Pigment ist ein sehr viel brillanteres Blau wie Azurit, fast wie ein Leuchtblau. Es eignet sich nicht für saure Medien oder Leinöl, wohl aber für Kalk, Eiweiss und Tempera. H. Ploss hat in seinem Buch "Ein Buch von alten Farben" auf Seite 57 das Rezept für dieses Pigment aus dem Trierer Farbenbuch aus dem Jahre 1500 zitiert. Ihm zur Erinnerung wurde der Name gewählt.


Porphyr, Grün

Der grüne Porphyr aus den Seealpen in Frankreich ist durch vulkanische Prozesse entstanden. Mineralogisch steht der grüne Porphyr zwischen Porphyr und Seladonite-Sandstein.


Preußischblau, Eisencyanblau,Pariser Blau

sehr gut lichtbeständig, aber alkaliempfindlich, stärkstes Färbevermögen aller anorganischen Buntpigmente, gutes Deckvermögen und hervorragende Lasierfähigkeit, hoher Bindemittelbedarf, starke Trockenwirkung auf Öle.
Nicht giftig.

Chemisch: Ferriferrocyanid Fe(CN)18


Purpurit

Chemische Zusammensetzung: komplexes Eisen/Manganphosphat
Zwischenstufe zwischen Eisenphosphat (Vivianit) und Manganphosphat (Manganphosphat). Eventuell stellt Purpurit eine besonders reine Form von Manganepidot oder Piemontit dar.

Historisch ist Purpurit bisher nicht nachwiesen, farbton-ähnlich einem brillanten Caput Mortuum.

Die Anwendung in allen Bindemitteln ist problemlos.


Pyrit

Chemische Zusammensetzung: Eisenkies, FeS2
Die würfelähnlichen goldglänzenden Kristalle wurden schon früh für etwas Besonderes gehalten. Das fein gemahlene Pyritmehl hat einen grauen Farbton welcher an Gold erinnert. Diese zurückhaltende graugold-ähnliche Färbung hat insbesondere in Kontext mit Smalte und roten Ockern eine sehr eindrucksvolle Wirkung.

Schöne Kristalle werden besonders auf Elba, im Piemont, in Kärnten, in Freiberg, in Grossalmerode und in vielen anderen Orten in Europa gefunden.

Die Korngrösse des Pigments hat starken Einfluss auf die Farbigkeit. Je gröber das Pigment gemahlen ist, desto mehr goldglänzender Charakter bleibt übrig. Sehr fein gemahlener Pyrit erscheint in Kalk als gelbgrünstichiges Grau. Pyrit lässt sich in jeder Art von Bindemittel verwenden.

Wird Pyrit in Gegenwart von Luftsauerstoff erhitzt, entstehen gelbe oder rote Eisenoxidfarben.

Wird Pyrit mit Acryldispersion überstrichen, kann die Dispersion das Pyrit oxidieren und es entstehen gelbe - rotbraune Färbungen.


Realgar

Realgar, auch Rauschrot oder Opperment genannt, hat einen wechselnden Farbton, je nach dem, wie fein er ausgemahlen wurde. Die dunkleren Nuancen liegen bei einem Orangerot, die helleren bei einem Gelborange. Realgar ist trotz seiner Leuchtkraft jedoch nicht so rein im Ton, wie moderne Cadmiumpigmente oder Teerfarbstoffe, was für die malerische Praxis allerdings kaum interessiert.
Ähnlich wie bei Auripigment handelt es sich hier um ein Arsensulfid, allerdings mit einer anderen Zusammensetzung. Die chemische Formel lautet AS4, der Arsenanteil ist also höher, als beim Auripigment. Realgar ist ein natürliches weiches kristallines Mineral von leuchtend roter Farbe. Die rote Frabe tendiert zunehmend in Richtung Gelborange, je stärker der Realgar zerkleinert wird. Das Mineral wurde bereits in der Antike abgebaut. Der Name stammt übrigens aus dem Arabischen von "Radj al ghar" - "Höhlenpulver". Das daraus gewonnene Pigment schloss von der Antike bis zur Renaissance eine empfindliche Lücke im Farbkreis zwischen goldgelbem Auripigment und Zinnober. Danach ging seine Verwendung stark zurück und über die technologischen Gegebenheiten wird nur wenig überliefert. Fachbücher behandeln Auripigment und Realgar zumeist gemeinsam, was den durchaus unterschiedlichen Materialien allerdings nicht gerecht wird.

Aufgrund des höheren Arsenanteiles und geringeren chemischer Stabilität dürfte Realgar noch giftiger sein, als Aurpigment. Die geringere chemische Stabilität ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass laut Angaben in der chemischen Fachliteratur Realgar unter Einfluss von UV-Strahlung in Auripigment (As2S3) und Arsenik (AsO3) übergeht, das bedeutet, das sich orangerote Realgaraufstriche je nach Belichtung allmählich in die gelbe Auripigmentmodifikation umwandeln, wobei der Anteil an dabei gebildetem Arsenik farblich keine Rolle spielen dürfte.

Da es sich hier um ein starkes Gift handelt, sollte man beim Arbeiten grösste Hygiene walten lassen. Wie beim Auripigment gilt auch hier, dass man die Farbe nicht mit der Haut in Verbindung bringen und Geräte auf das grüntlichste reinigen sollte! Farbreste gehören in den Sondermüll.

Die mangelnde Lichtbeständigkeit einerseits und die hohe Toxizität andererseits sprechen gegen die Verwendung in ungefirnissten Techniken. Am solidesten ist Realgar in gefirnisster Temperatechnik. Wird er dabei noch mit einem laurton überzogen, der einerseits Lichtbeständig ist und andererseits UV absorbiert, was bei warmen Farben durchaus der Fall sein dürfte, dann kann man davon ausgehen, dass er dann recht beständig sein sollte. Eine Verwendung als ÖLfarbe möchte ich nicht empfehlen. Zum einen reagieren die in den trocknenden Ölen enthaltenen Fettsäuren mit dem Realgar unter Bildung von (allerdings geringen) Mengen Arsenwasserstoff, was man an dem knoblauchartigen Geruch erkennen kann, zum anderen ist Realgar in Öl trotz Sikkativierung ein extrem langsamer Trockner! Ein sikkativierter Probeaufstrich brauchte bei einem Test ca. sechs (!) Wochen zum Trocknen. Ausmischung mit anderen Farben verkürzt den Trockenvorgang.

Gleichwohl mit welchem Bindemittel Realgar verarbeitet wird, trifft auch hier wie bei Auripigment zu, dass der Farbton je nach Mahlfeinheit changiert. Gröbere Auftriche wirken feuriger als feine. Das Pigment lässt sich wohl mit Mörser als auch unter dem Glas läufer hervorragend feinreiben, das Resultat ist eine sehr geschmeidige Farbe von hoher Intensität und guter Deckfähigkeit. Realgar sollte als Sulfidfarbe jedovh nicht mit kupferhaltigen Farben vermischt werden, da hier unweigerlich Schwärzung eintreten würde. Auch bei bleihaltigen Farben ist Zurückhaltung geboten.

Bei ausreichender Abbindung kann dieses Pigment übrigens auch mit modernen Kunstharzdispersionsbindemitteln verarbeitet werden.

Obwohl es heute preiswertere, beständigere und vor allem ungiftige Farben gibt, kann es hochinteressant sein, Farben alter Meister mit dem Bewusstsein der Neuzeit zu verarbeiten. Der hohe Preis und die Giftigkeit des Realgar lassen es jedoch sinnvoll erscheinen, stets nur solche Mengen Farbe anzufertigen, wie sie gerade beötigt werden.


Sepia

engl.: Cuttlefish, Sepia
franz.: Sépia

Die Tintendrüse des Tintenfisches Sepia officinalis aus der Familie der Sepiidae liefert den braunen Farbstoff Sepia. Diese Tintenfische sind in den Küstengewässern aller warmen und gemässigten Meere der alten Welt zu finden. Der Farbstoff dient den Tintenfischen als Schutzwaffe und wird bei Gefahr gegen den Gegner ausgespritzt.
Um den Farbstoff aus der Tinte zu gewinnen, wird entweder die ganze Tintenblase getrocknet, oder die von den noch lebenden Tintenfischen ausgespritzte Tinte wird in Schalen aufgefangen und dann getrocknet. Der Farbstoff kann danach ohne weitere Behandlung zu Pulver gemahlen werden. Eine andere Art der Herstellung von Sepia erfordert zunächst eine Behandlung mit Alkalien, während der braune Farbstoff in Lösung geht. Durch Filtration und anschliessende Neutralisierung erhält man ein etwas reineres Produkt.

Der in Sepia enthaltene braune Farbstoff ist das Protein Melanin, ein Eiweiss, welches in ähnlicher Form auch am Bräunungsvorgang der menschlichen Haut beteiligt ist. Es sind weiterhin Enzyme und ebenso ein roter Farbstoff enthalten.
Sepia wird wegen ihrer Lasureigenschaften hauptsächlich für Aquarellfarben verwendet. Nach dem Trocknen der Tintenfischblasen, bzw. des Farbstoffes wird das gemahlene Pulver sofort mit Gummilösung versetzt und zu Stücken geformt. Für Ölfarben ist Sepia nicht einsetzbar. Der braune Melaninfarbstoff ist in Wasser und Alkohol unlöslich, in alkalischer Lösung geht er mit rotbrauner Farbe in Lösung. Die Lichtechtheit ist mit Indigo vergleichbar, d.h. für einen Naturfarbstoff ziemlich gut.

Auch zur Bereitung von Tuschen oder Tinten wird Sepia verwendet.


Smalte

Chemische Zusammensetzung : kobalthaltiges Kaliumsilikatglas
Smalte ist das älteste bekannte Kobaltpigment und kann als farblich nicht ganz so brillianter Vorläufer des Kobaltblaus angesehen werden. Sie tauchte offensichtlich erstmals in der Mitte des 16. Jahrhunderts auf und spielte eine nicht unwesentliche Rolle in der Malerei des Barock, vor allem, wenn es um die Darstellung von Luft ging.

Schon bei den alten Ägyptern wurde kobalthaltiges Glas in Pulver vermahlen als Pigment verwendet. Im Mittelalter ist mit der Glasherstellung in Venedig auch die Blauglasherstellung verbunden. Im Sachsen des 16. Jahrhunderts hatte der sächsische Kurfürst fast ein mitteleuropäisches Monopol von Smalte. Dies führte zu einer besonders häufigen Verwendung von Smalte im Bereich der jungen protestantischen Reformation. Bei der Papiergerstellung kam Smalte früher als "Weissmacher" zum Einsatz, was allerdings mittlerweile mithilfe von Ultramarinpigmenten geschieht. Andere früher auch benutzte Namen für Smalte sin Eschel oder Zaffer. Zaffer ist jedoch eigentlich die Bezeichnung für ein aus Speiss und Glanzkobalt entstehendes Zwischenprodukt bei der Smalteherstellung.

Wir stellen Smalte heute durch eine berechnete Mischung aus Kobaltsalzen mit einem Glasversatz, bei etwa 1150° C her. Die Glassmasse geht dann wie ein Kuchen auf. Das geschmolzene Glas wird abgeschreckt und zu Pulver vermahlen. Historische Smalten enthielten häufig neben Kobalt noch giftige Beinmischungen wie Arsen und Antimon, welche de Farbton etwas verändern Können.

Bei diesem Pigment handelt es sich im Prinzip um ein intensiv tiefblau gefärbtes Kobaltglas. Je feiner es zermahlen wird, umso blasser fällt der Farbton aus. Durch Zusatz von Öl und/ oder Harzlösung wird dies zum Teil wieder ausgeglichen. Smalte ist im Prinzip für jede Technik geeignet, wenngleich das Anreiben der Farbe einige Mühe bereitet. Ein weiterer Vorzug liegt in der den allermeisten Kobaltpigmenten eigenen Beständigkeit!


Neben einer Verwendung im Restaurierungsbereich wird Smalte auch heute noch vor allem als Glasurpigment in keramischen Techniken, beim Emaillieren und in der Glasmalerei verwendet.

Wer Wert auf bestimmte stoffliche Wirkungen legt, für den lohnt sich in jedem Fall eine Anwendung in den unterschiedlichen Techniken der Malerei. Da es sich hier jedoch um eine sogenannte Glasfritte handelt, welche mit Kobalt aufgefärbt ist, kann nicht dieselbe Intensität, wie man sie von modernen Kobaltblautönen gewohnt ist, erwartet werden.

Die Haltbarkeit von Smalte als Pigment in verschiedenen Bindemitteln hängt von der Qualität des Glasversatzes ab.


Spinellschwarz

Spinellschwarz gehört zum System der Kupfer-Mangan-Eisen Spinelle. Dieses Pigment zeichnet sich durch seinen tiefen Schwärzungsgrad aus. Während die meisten Schwarzpigmente zumindest in einigen Bereichen des sichtbaren Lichtes über geringe Remissionswerte verfügen und dadurch mehr oder weniger farbig erscheinen, gibt es bei unserem Spinellschwarz an keiner Stelle des sichtbaren Spektrums eine höhere Remission als 1,5 %. Die Tiefe des optischen Schwarz ist unerreicht. Die gute Deckkraft macht das Pigment darüberhinaus ziemlich ergiebig. Spinellschwarz ist kein Gefahrgut im Sinne der Transportvorschriften. Da Spinellschwarz praktisch unlöslich ist, gelten die allgemeinen Staubschutzvorschriften und die allgemeinen Regeln der Sauberkeit.
Spinellschwarz ist eine verhältnismässig neue Entwicklung auf dem Pigmentsektor. Es handelt sich hierbei um das tiefste, ergiebigste und feinste Schwarzpigment überhaupt. Es hat die Eigenschaft, unter bestimmten Umständen nicht von Infrarot erfasst zu werden. Daher wird es im militärischen Sektor zum Anstrich von Tarnkappenbombern eingesetzt. Dieser Umstand und die Tatsache, dass es weltweit nur von einer amerikanischen Firma hergestellt wird, mag der Grund für den hohen Preis sein.
Dieses Pigment ist ohne Einschränkungen universell einsetzbar, also für jede Technik geeignet und mit allen anderen Pigmenten verträglich. Als Öl-, Alkyd- sowie als Kunstharzlackfarbe handelt es sich um das tiefste darstellbare Schwarz überhaupt. In Leim oder wässriger Tempera aufgetragen erzielt man zwar noch immer ein Schwarz von respektabler Tiefenwirkung, jedoch hat Spinellschwarz unter diesen Umständen einen Stich ins Dunkelrotbraune. Werden spinellschwarze Temperaaufstriche gefirnisst, ergibt sich eine Schwärze, die die des Ölfarbenaufstriches noch übertrifft. Allerdings reicht diese so erzielte Tiefenwirkung nicht an die von gefirnisster Elfenbeinschwarztempera heran.
Als reine Ölfarbe ist Spinellschwarz nicht zu übertreffen. Der Bindemittelbedarf ist aufgrund der Kornfeinheit jedoch recht hoch, die Farbe trocknet sehr langsam, weshalb Sikkativ zugesetzt werden sollte. Wie bei anderen Bindemitteln genügt bei kleinen Mengen ein Anteigen mit der Spachtel, bei grösseren Mengen sollte grundsätzlich mit dem Glasläufer angerieben werden.
Das Manko, dass Spinellschwarz nicht in allen Techniken die volle Tiefenwirkung erreicht, lässt sich übrigens durch Lasuren von Ultramarinblau ausgleichen. Auch ein Auftragen von einer dünnen Schicht Harzölfarbe "Payne's Grey" dunkelt dieses Schwarz noch weiter ab. Ein sehr interessanter Effekt kann erzielt werden, wenn ein gefirnisster Spinellschwarz- Temperaaufstrich mit Heliogen- bzw. Phtalocyaninblau überlasiert wird.
Der gewonnene optische Eindruck entspricht einem extrem dunklen, auf keine andere Weise darstellbaren, fast schon metallisch schimmernden Schwarz.


Titanweiß

engl.: titanium white
franz.: blanc de titane
andere Namen: Blinkweiss

Titanweiss ist chemisch gesehen Titandioxid mit der Formel TiO2. Es wird synthetisch hergestellt, Ausgangsmaterial ist zumeist schwarzes Titaneisenerz, welches auch "Ilmenit" genannt wird und z.B. aus Norwegen, Canada, China oder der ehemaligen Sowjetunion stammt. Die Produktion kann nach dem Chlorid- oder nach dem Sulfatverfahren erfolgen. Der Zusatz "Rutil" oder "Anatas" weist auf die jeweilige Modifikation der Molekülstruktur hin.
Titanweiss ist ungiftig, wetter- und hitzestabil, wobei die Rutilform stabiler ist als die Anatasmodifikation. Bei sehr hohen Temperaturen kann das Pigment mit reduzierenden Agentien wie z.B. Kohlenmonoxid reagieren, es entstehen dann andere Titanoxide. Die Dichte liegt zwischen 3,9-4,0 (Anatas) und 4,1-4,2 (Rutil). Gegen die meisten Säuren und Laugen ist Titanweiss beständig, lediglich Flusssäure oder konzentrierte Schwefelsäure greifen das Pigment an.

Titanweiss kann photochemisch aktiv werden. Dies macht sich bei Titanweiss in Anatas-Modifikation z.B. durch Kreiden bemerkbar. Für Aussenanstriche sind daher besonders behandelte Rutil-Formen im Handel. In hellen Ausmischungen mit organischen Pigmenten können die photochemischen Reaktionen zum Verblassen der Pigmente führen.

Titanweiss ist das Weisspigment mit der grössten Deckkraft. Es ist seit den 20er Jahren dieses Jahrhunderts auf dem Markt. Sowohl in organischen als auch in anorganischen Bindemitteln ist es verwendbar und mit allen Pigmenten kombinierbar. Im Gegensatz zu Bleiweiss hat das chemisch inaktive Titanweiss jedoch keine trocknende Wirkung auf Öle.

Ausser als Künstlerfarbe kommt Titanweiss auch als Druckfarbe zum Einsatz oder zum Färben von Kunststoffen. Plastikverpackungen werden durch die weisse Farbe nicht nur bedruckbar, sondern auch beständiger gegen den Einfluss von UV-Strahlung. Auch bei der Papierfabrikation und in der Kosmetikindustrie wird Titanweiss verwendet.


Ultramarinblau

Ultramarinblau


Der charakteristische Ton des Ultramarinblaus ist jedem bekannt. Physikalisch betrachtet handelt es sich um jenes Blau, welches am äussersten kurzwelligen Ende des Farbspektrums vorzufinden ist. Der Physiker spricht hier zwar gerne von Violett, aber dies ist schlicht falsch. Um Violett könnte es sich nur handeln, wenn der Farbton rote Spektralanteile enthalten würde. Genau dies ist bei Ultramarinblau aber nicht der Fall. Die violette Wirkung ist rein subjektiv, da das tiefe Spektralblau rechts neben dem langwelligeren Türkis steht, was gleichfalls zu den Blautönen gerechnet wird. Ebenso wie das tiefe Rot des Krapplacks, welches den langwelligen Rotwerten am anderen Ende des sichtbaren Spektrums entspricht, kann auch Ultramarin nicht im Farbkreis enthalten sein, da beide miteinander vermischt kein reines Violett ergeben, sondern nur einen sehr dunklen Ton, der als Schwarz empfunden würde. Demnach müsste die Komplementärfarbe dieses Violettons nahezu Weiss sein, da Komplementärfarben miteinander zu gleichen Anteilen vermischt immer ein neutrales Grau ergeben. Auch druck- oder fototechnisch lässt sich Ultramarinblau nicht korrekt wiedergeben.

Rotstichigeres Ultramarinblau ist nicht rotstichiger, sondern scheint nur so, weil es noch kurzwelliger ist. Es ist logisch, dass die Farbe stets dunkler wird, je mehr sie sich dem Ende des sichtbaren Spektrums nähert. Grünstichigere Ultramarintöne werden mitunter zu Kobaltblau-Ersatz verarbeitet. Das grünstichige Ultramarinblau enthält mehr Aluminium und weniger Schwefel als die rotstichige Sorte. Eine Verkollerung von Ultramarinpigment mit Zinkweiss bezeichnet man als "Königsblau". Der Unterschied in der Farbwirkung zwischen ungefirnissten, wässrigen Techniken und gefirnissten Malweisen ist bei Ultramarinblau gravierend. Bedingt durch das Bindemittel wird eine immense Tiefenwirkung erzielt.

Die Ultramarinpigmente werden seit 1829 synthetisch durch langwieriges Brennen von Kaolin, Quarz, Soda, Glaubersalz und Schwefel sowie Kohlenstoff als Reduktionsmittel gewonnen. Die chemische Formel wird mit [Na8 Al6 Si6 O24]S4 angegeben und ist somit identisch mit der des natürlichen Ultramarins. Demnach kann man Ultramarin als das Sulfid eines komplizierten Mischoxidpigments auffassen. Es lässt sich einfach dadurch erkennen, dass Schwefelwasserstoffgas entweicht, wenn man das Pigment mit Salzsäure übergiesst. Bedingt durch Dauer und Temperatur des Brennvorganges können unterschiedliche Nuancen erzielt werden. Ein Ultramaringrün wird durch eine geänderte Zusammenstellung der Rohstoffe gewonnen, konnte sich aber nie richtig durchsetzen.

Ultramarinblau zählt zu den beständigsten Pigmenten, die wir kennen. Es ist in Wasser, Ölen und Lösungsmitteln unlöslich. In Kalk-, Zement- und Silikattechniken sind allerdings nur Spezialsorten geeignet und in Säuren ist Ultramarinblau unbeständig, es sei denn, man arbeitet mit säurebeständigen Sorten. Ultramarinblau ist hervorragend lichtecht.

Die künstlich hergestellten Ultramarinpigmente stellen zwar ein sehr feines, weiches Pulver dar, sind aber in Öl äusserst schwer anzureiben. Auf jeden Fall sollte man hier das niedrigviskose, nicht gilbende Mohnöl den anderen Ölen vorziehen. Nach dem Unterspachteln einer bestimmten Menge an Öl wird man feststellen, dass während des Durchreibens mit dem Glasläufer das zuvor noch pastose, ja kittartig feste Blau schlagartig zerläuft wie Honig. Es muss solange Pigment zugesetzt und weiter angerieben werden, bis eine geschmeidige Tubenkonsistenz erreicht ist. Aber auch dann kann es passieren, dass sie erneut zerläuft, wenn man die Farbpaste eine Weile stehen lässt. Daher ist es sinnvoll ein wenig Bienenwachspaste 1:1 in Terpentinöl zuzusetzen, um dieser unangenehmen Eigenschaft entgegenzuwirken. Das Zubereiten von Ultramrinfarbe in wässrigen Techniken ist unvergleichlich einfacher, hier genügt ein Anspachteln mit dem Bindemittel.

Es bleibt dem Künstler überlassen, ob er Ultramarinblau als reine Lasurfarbe verwenden möchte oder mit deckendem Charakter als Weissausmischung. Hierzu sei gesagt, dass derartige Mischungen zwar ihre farbliche Wirkung nicht verfehlen, dass diese aber gerne plakativ wirken. Ein Himmel, welcher ausschliesslich mit Ultramarinblau und Weiss gemalt wurde, kann nicht natürlich wirken, weil dieses Blau nicht in der Himmelsfarbe enthalten ist. In Verbindung mit anderen Lasurfarben wie Chromoxidhydratgrün oder Krapplack lassen sich interessante Farbwirkungen erzielen. Auch ein Versetzen von Gebrannter Siena mit Ultramarinblau ergibt tiefe reizvolle Tönungen.

Bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts war Ultramarinblau ein ausgesprochenes Luxusprodukt, da es auf umständlichem Wege nach alten Rezepturen aus dem Halbedelstein Lapis Lazuli gewonnen wurde. Ein sehr umständliches Verfahren zur Herstellung von Ultramarin wurde schon 1271 von Marco Polo beschrieben. Echtes Ultramarin (Azzurum ultramarinum = das Blau von jenseits des Meeres) ist auch heute noch so kostbar wie Gold!

Ausser in Künstlerfarben spielt Ultramarinblau auch als sogenannter Weißmacher in Waschmitteln und Papier und früher bei der Zuckerproduktion als nichtgiftiges Pigment eine Rolle: ein leicht blaustichiges Weiss erscheint kälter, und damit weisser, als ein gelbstichiges Weiss. Insekten lassen sich von blauen Anstrichen abschrecken, so dass Ultramarinblau auch eine ausgedehnte Verwendung in der Landwirtschaft vor allem für Tierställe fand.


Ultramarinrot

Das Ultramarinrot gehört zur Gruppe der Ultramarinpigmente. Es handelt sich beim unverarbeiteten Pigment um einen gebrochenen Altrosaton, von der gleichen Helligkeit wie das neue Kobaltviolett hell. Der Ton ist aber eindeutig wärmer und zu den Rottönen zu zählen. Er entspricht ungefähr einer Weissausmischung von Krapplack dunkel, wirkt aber gleichzeitig eine Spur gebrochener und kühler. In Techniken, in denen das Pigment stärker abgebunden ist, wirkt der Ton leuchtender. Gleichzeitig steigt die Lasurfähigkeit. Sie ist jedoch nicht so hoch wie z.B. bei Ultramarinblau.
Chemisch ist Ultramarinrot eng mit dem Ultramarinviolett verwandt, es handelt sich um ein natriumarmes Ultramarin. Man kann Ultramarinrot (wie Ultramarinblau) nachweisen, indem man eine Pigmentprobe mit Salzsäure übergiesst: es entweicht Schwefelwasserstoffgas mit dem Geruch nach fauligen Eiern.

Ultramarinrot ist völlig lichtecht und auch ökologisch unbedenklich, jedoch wired es von sauren Medien und saurem Regen zersetzt. Die Herstellung von Ultramarinrotfarbe durch den Künstler ist verhältnismässig einfach. Für wässrige Techniken genügt ein gründliches Anspachteln mit dem Bindemittel. Bei Ölfarbe, in welcher Mohn- oder Walnussöl geeignet sind, sollte man nach dem Durchspachteln mit dem Glasläufer anreiben. Die Wirkung dieses ungewöhnlichen Rottones ist übrigens in Öl schöner als in Wasserfarbe. Eine andere sinnvolle Anwendung stellen gefirnisste Öl/Tempera-Mischtechniken dar. Man hat hier zwei Möglichkeiten. Zum einen kann man mit Ultramarinrot in selbstbereiteter Tempera untermalen und schliesslich firnissen, um darauf mit farbigen Lasuren weiterzuarbeiten oder man kann eine Temperauntermalung mit ultramarinroter Ölfarbe überlasieren.


Ultramarinviolett

Ähnlich wie Ultramarinblau ist auch das weniger bekannte Ultramarinviolett in unterschiedlichen Tönungen im Handel. Diese sind zwar unvergleichlich preiswerter als andere Violettöne, erreichen diese aber nicht an Brillianz. Bläulichere Sorten stellen mitunter Mischungen aus Ultramarinblau und -violett dar und sind auch in ungefirnissten Techniken verhältnismässig leuchtend. Die rötlicheren Sorten hingegen wirken in Öl schöner und kommen am besten als Lasurfarbe zur Geltung.
Die Ultramarinviolette werden wie Ultramarinrot hergestellt, indem künstliches Ultramarinblau mit Chlor und Chlorwasserstoff behandelt und so das darin enthaltene Natrium entzogen wird. Ultramarinviolett ist für alle Techniken uneingeschränkt geeignet und völlig lichtecht. In wässrigen (ungefirnissten) Techniken handelt es sich um ein deckendes Pigment, in Öl und gefirnissten Techniken um ein typisches Lasurpigment.

Da dieses Violett kaum als fertige Tubenfarbe erhältlich ist, lohnt sich für den Maler die Herstellung. Glücklicherweise ist das Anreiben in Öl wesentlich einfacher als die des Ultramarinblaus. Auch sollte hier das niedrigviskose Mohnöl dem Leinöl vorgezogen werden. Ein geringer Harzzusatz ergibt höhere Brillianz, ein wenig Bienenwachspaste wirkt einem Verlaufen entgegen. Sehr einfach ist die Herstellung wässriger Farben. Bei der Bereitung von Acrylfarbe sollte zunächst gut angespachtelt und dann, wie bei Ölfarbe, mit dem Glasläufer durchgerieben werden. Ultramarinviolettöne werden wegen ihrer Lasurfähigkeit gerne in Aquarellsortimenten aufgenommen. Interessant ist auch die Verwendung von Ultramarinviolett in der Pastelltechnik.

Diese violette Farbe wurde erst verhältnismässig spät erfunden. Nach einem Patent aus dem Jahre 1878 wird Ultramarinviolett angeblich noch heute hergestellt.


Umbra, natur und gebrannt

Gebrannte Umbra weist einen dunklen rotbraunen Farbton auf, der bis ins Schwarzbraun tendieren kann. Er erinnert an ein modernes Spinell-Mischoxidpigment, das Hämatit-Chromoxid.
Analog zu Ocker und gebranntem Ocker muss man sich gebrannte Umbra als Naturpigment vorstellen, dem durch Erhitzen Hydratwasser ausgetrieben wurde. Am häufigsten begegnet man einer tiefbraunen cyprischen gebrannten Umbra, wobei die Farbtöne erheblich schwanken können.

Im Gegensatz zu den eher deckenden, weichen Naturumbren sind gebrannte Umbraerden etwas härter im Korn und etwas stärker lasierend, ein Umstand, den man sich technologisch zunutze machen kann. Auch weist gebrannte Umbra in Öl nicht die bei normaler Umbra beobachteten Unzulänglichkeiten auf! – Somit ist dieses robuste Pigment in praktisch allen Techniken der Tafelmalerei verwendbar. Praktisch ist, dass hier ein sehr schöner tiefer Dunkelbraunton vorliegt, den man nicht durch Mischen mit Schwarz zu erzielen braucht. Das wirkt sich vor allem bei Lasuren und in der Aquarellmalerei sehr positiv aus, da hier Schwarzausmischungen, vor allem wenn ein Kohlenstoffschwarz verwendet wurde, häufig schmutzig russig wirken oder sich entmischen.

Gebrannte Umbra lässt sich nicht nur für diverse Brauntönungen verwenden, sondern auch sehr schön mit Grün zu warmen tiefen Olivtönen vermischen! In Verbindung mit Ultramarin erziehlt man lasierende Dunkelgrau- bis Schwarztöne. Solche lebendigen transparenten Grautöne sind an Schönheit den konventionellen Mischungen klar überlegen.

Gebrannte Umbra wird seit einigen Jahrhunderten in der Tafelmalerei verwendet und ist auch heute noch unverzichtbarer Bestandteil der meisten Farbsortimente.


Wismut-Vanadatgelb

Wismut-Vanadatgelb, auch Wismut-Vanadat Zitronengelb, stellt einen sehr hellen, kalten, aber dabei maximal gesättigten Farbton dar. An Brillianz übertrifft es sowohl das Zinkgelb als auch zitronengelbe Varianten von Cadmium- oder Azopigmenten. Dieser Farbton ist nicht zu imitieren, jedoch lassen sich damit die Töne von Strontiumgelb und Barytgelb durch Weißzugabe erzielen. Durch die Feinheit der Pigmentteilchen bedingt, hat dieses Pigment gute Lasureigenschaften.
Bei diesem völlig neuen Pigment handelt es sich um einen Mischkristall des Systems Wismut-Vanadium-Oxid. Die chemische Formel könnte Bi2O3.V2O5 oder BiVo4 lauten. Nach neuester Auffassung betrachtet man das Pigment jedoch eher als Mischoxid. Wenngleich Vanadiumverbindungen gesundheitsschädlich oder gar giftig sind, ist dieses Pigment aufgrund seiner grossen Stabilität völlig ungefährlich. Die Lichtbeständigkeit ist, unabhängig von Verdünnungen oder Ausmischungen mit anderen Pigmenten, hervorragend (7-8). Gleichermassen positiv ist die Verträglichkeit mit allen Bindemittelsystemen, sowie die Wetterbeständigkeit zu bewerten.

Die Verarbeitung des Pigments zu Farbe ist unproblematisch. Es lässt sich mühelos mit einer Spachtel anteigen. In Öl wirkt Wixmut-Vanadiumgelb nicht trocknungsbeschleunigend. Lein- oder Walnussöl sind empfehlenswert, bei dem langsamer trocknenden Sonnenblumen- oder Mohnöl sollte man gegebenenfalls etwas Sikkativ einsetzen. Um den Ölgehalt möglichst gering zu halten, sollte man mit dem Glasläufer arbeiten, besonders wenn man die Farbe in Tuben abfüllen möchte.


Zinkgrün

Mischfarbe aus Zinkgelb und Eisencyanblau. Gut lichtecht, jedoch nicht alkalibeständig
Chemisch: Zinkchromat+Ferriferrocyanid
Als Mischfarbe abzulehnen!
Giftig (Gruppe 3)


Zinkweiß

ist ein lasierendes Weißpigment von sehr guter Lichtechtheit.
Mit allen Pigmenten, außer Pariserblau verträglich.
Die gröbste Körnung trägt den Beinamen "Rotsiegel" und kommt hauptsächlich für Anstrichzwecke und als Grundierung zur Anwendung. Das feinste Pulver, "Weißsiegel", ist so fein, daß, wegen der damit verbundenen Schwundrißgefahr, für künstlerische Zwecke meist die mittlere Körnung, "Grünsiegel", bevorzugt wird.

Zinkweiß ist äußerlich ungiftig und wird auch als Wundpuder verwendet.

Chemisch: Zinkoxyd ZnO


Zinnober

Der Farbton Zinnober ist jedermann als mehr oder weniger orangestichiges Rot bekannt. Neben der hellen klassischen Variante sind auch dunklere Tönungen, sowie solche, die bedingt durch Verunreinigungen in Richtung auf ein sehr feuriges Eisenoxidrot spielen, im Handel. - Der Farbton von Zinnober wird als Grundlage zur Bezeichnung anderer Farbnuancen verwendet (Zinnoberrot).
Chemisch handelt es sich bei Zinnober stets um die rote Modifikation von Quecksilbersulfid (HgS). Quecksilbersulfid ist als chemische Verbindung dermassen stabil, dass es trotz des hohen Quecksilbergehaltes völlig ungiftig ist. Erst beim Erhitzen oder bei der Reduktion mit anderen Metallen wird elementares Quecksilber frei, dessen Dämpfe äusserst giftig sind. Zinnober ist unlöslich in Alkali und Säure (mit Ausnahme von Königswasser). Auch gegen Schwefelwasserstoff und schweflige Säure ist er beständig.

Sogenannter Bergzinnober stellt ein natürlich vorkommendes Mineral dar, welches vorzugsweise in Almaden in Spanien oder in Istrien abgebaut wurde und auch noch heute dort abgebaut wird. Weitere Fundorte sind die bayrische Pfalz, Böhmen, Ungarn, Siebenbürgen, die Toskana, Kalifornien, Mexiko, Peru, Brasilien, China und Japan. Es handelt sich zumeist um derbe mineralische Aggregate, die von rot bis schwarz tendieren. Natürlicher Zinnober kommt auch in Form feiner weicher erdiger Klümpchen vor, welche an anderem Gestein, so z.B. kristallinem Schiefer, anhaften. Je nach Verunreinigungen trifft man sehr leuchtende hochrote oder aber stumpfere Sorten an. Die Kornfeinheit entscheidet über den Helligkeitsgrad: die hellsten Sorten sind die am feinsten gemahlenen (2-5µ), dunklere Sorten enthalten grössere Partikel (5-20µ). Synthetischer Zinnober ist chemisch mit dem natürlichen identisch, sieht man einmal von bestimmten Beimengungen ab.

Bergzinnober kann bezüglich seiner Beschaffenheit unterschiedlich sein. was nicht nur vom Grad der Ausmahlung abhängt. Bei künstlichem Zinnober handelt es sich in der Regel um ein auffallend schweres (immerhin das schwerste Pigment, welches wir kennen!), sehr weiches, schmierig anmutendes Pulver. welches leicht als Farbe anzureiben ist. Bei Ölfarbe sollte man Leinöl verwenden. Will man in Tuben abfüllen, muss unbedingt etwas Bienenwachspaste in Terpentinöl 1:1 zugesetzt werden, da sich das schwere Pigment ansonsten absetzen würde. Im Gegensatz zum künstlichen Zinnober, bei dem für kleine Mengen ein Anspachteln genügt. sollte bei natürlichem Zinnober stets mit dem Porzelanmörser oder mit dem Glasläufer gearbeitet werden, um eine homogene Farbe zu erhalten.

In nicht gefirnissten, wässrigen Techniken hat man im Laufe der Jahrhunderte bei Zinnober, gleichwohl ob bei künstlichem oder natürlichem, immer wieder Schwärzungen beobachtet. In gefirnissten Techniken, bzw. in Öl traten diese seltener auf. - Die alten Meister schienen diese Gefahren zu kennen. So setzte man Zinnober vorzugsweise in Mischtechniken als Untermalungsfarbe ein, die dann gefirnisst und mit Krapplack überlasiert wurde. Derartig angelegte Bildpartien haben Jahrhunderte ohne Veränderung überdauert! - Ob es sich bei den Schwärzungserscheinungen um eine Umwandlung in die schwarze Quecksilbersulfidmodifikation oder um andere chemische Vorgänge handelt, ist bis heute nicht hundertprozentig erwiesen. Laut Kittel ist eine Mischung von Zinnober mit kupferhaltigen Pigmenten nicht empfehlenswert, die Mischung mit bleihaltigen dagegen unbedenklich.

Natürlicher Zinnober ist schon seit der Antike bekannt. Man nimmt an, dass er bereits um 600 v. Chr. von den Hebräern für Wandmalereien verwendet wurde und ebenfalls den Assyriern, den Ägyptern und den Chinesen bekannt war. Es handelt sich um das wichtigste und leuchtendste Rot, welches zur Verfügung stand. Das Wort Zinnober stammt aus dem persischen "sängärf", woraus das griechische "kinnabari" wurde. Vitruv und Plinius berichten von "cinnabris". Im Mönchslatein des Mittelalters wird auch häufig die Bezeichnung "minium" verwendet, während man mit "minium falsum" oder "minium secundarium" häufig Mennige oder besonders leuchtende Sorten von Eisenoxidrot meinte. Da Zinnober häufig zum Ausmalen mittelalterlicher Handschriften diente, wurde der Maler, der diese Arbeit verrichtete, als "miniator" bezeichnet, woraus sich unser Wort "Miniatur" gebildet hat!

Seit Albertus Magnus im 13. Jahrhundert war man in der Lage, Zinnober künstlich herzustellen. Bis zum Jahre 1785 jedoch verwendete man trotzdem weiterhin natürlichen Zinnober. Erst ab diesem Zeitpunkt konnte sich fabrikatorisch hergestellter Zinnober mehr und mehr durchsetzen. - Bis in die ersten Jahrzehnte unseres Jahrhunderts schliesslich, war Zinnober noch völlig unverzichtbar. Erst die haltbareren und farblich noch schöneren Cadmiumrottöne konnten den Zinnober verdrängen.

In deutschen Farbsortimenten trifft man Zinnober heute nur noch unter "Zinnoberrot" als blosse Farbtonbezeichnung an. In einigen englischen Sortimenten hingegen wird auch noch echter Zinnober unter der Bezeichnung "vermillion" geführt, wohingegen es sich bei "vermillion hue" um Imitationen handelt. - Echter Zinnober ist noch teurer als Cadmiumfarben und besonders schöne Sorten sind heute nur noch sehr schwer erhältlich.


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